Eine vierköpfige Familie, die fröhlich im Auto saß und über die Autobahn fuhr. Vorne die Eltern, die sich ruhig unterhielten. Hinten die Kinder. Die Tochter, die gelangweilt aus dem Fenster sah und der Sohn, der munter über seine Pläne am Strand plapperte. Und dann ein lauter Schrei. „Vorsicht, Papa!“ Er sah auf, sah, wie ein Auto rasend und schlitternd auf sie zukam. Er riss das Lenkrad herum, versuchte auszuweichen, doch es war zu spät. Mit viel zu hoher Geschwindigkeit prallte das andere Fahrzeug in den Wagen der Familie. Splittern und Scheppern war zu hören. Der Wagen überschlug sich. Einmal. Zweimal. Schlitterte dabei von der Fahrbahn in die Straßenabsperrung. Erneut war lautes Krachen zu hören. Dann war Schwarz...
Kazuo riss die Augen auf. Er saß aufrecht im Bett und schnappte hastig nach Luft. Schweiß rann ihm die Stirn herab. Er zitterte. Ein Alptraum. Es war nur ein Alptraum gewesen. Der Tod seiner Eltern war eine Erinnerung, so frisch, sie suchte ihn beinahe jede Nacht heim. Dabei wusste Kazuo mittlerweile, dass diese Erinnerung eigentlich alt war. Sieben Jahre alt, um genau zu sein. Und doch schien sie nur Wochen zurückzuliegen.
Kazuo stand auf und tapste leise ins Bad. Er war froh, dass er dieses mittlerweile blind finden konnte. Er wusste, dass er seit sieben Jahren schon in dieser Wohnung wohnte, aber sie war ihm einfach nur fremd.
Er schaltete das Licht an und blickte in sein blasses Spiegelbild. Es war schwer. Mittlerweile hatte Kazuo akzeptiert, dass er all seine Erinnerungen an Niigata verloren hatte. Aber gleichzeitig war es auch schwer für ihn, damit zurecht zu kommen. Er war sechzehn und damit musste er sich eigentlich längst mit dem Ableben seiner Eltern abgefunden haben, aber in seinen Erinnerungen, da war er immer noch zehn. Er hätte eigentlich Reife zeigen, erwachsen sein sollen, aber er wusste einfach nicht wie.
Kazuo schüttete sich kaltes Wasser ins Gesicht, ehe er langsam wieder das Bad verließ, vor einem anderem Raum stehen blieb. Vorsichtig klopfte er an, öffnete langsam die Tür. Er lugte herein.
Kazuo: Anna? *leise fragt*
Anna: *ein leises Murren von sich gibt* Kazuo? *sich etwas aufrichtet* Was ist?
Kazuo: *senkt den Blick* Ich hatte einen Alptraum...
Anna: *sich ganz aufrichtet* Einen Alptraum? *auf den Platz neben sich klopft*
Kazuo: *zu ihr geht* *sich neben sie setzt* Ich hab von... damals geträumt...
Anna: Als unsere Eltern starben?
Kazuo: *nickt*
Anna: Oh, Kazuo... *umarmt ihn sanft* Es tut mir so Leid, dass du diese Phase noch einmal durchmachen musst...
Kazuo: *klammert sich an sie* Es tut so weh, an sie zu denken. Ich vermisse sie so sehr...
Anna: Ich vermisse sie auch, Kazuo.
Kazuo: Wie bin ich damals darüber hinweg gekommen?
Anna: Durch Zeit... Mit der Zeit haben wir einfach damit zu leben gelernt. Wir haben uns einfach auf andere Dinge konzentriert, die uns wieder einen Halt gaben.
Kazuo: Und was hatte ich?
Anna: Freunde, Kazuo, du hattest Freunde. In erster Linie Shinji-kun.
Kazuo: Das ist der Junge mit den blauen Haaren, nicht wahr?
Anna: Stimmt genau. Und mittlerweile hast du auch viele andere Freunde. Rei-kun und Toyama-kun... Aber ganz besonders Chloe-kun!
Kazuo: Chloe-kun?
Anna: Na ja, Chloe-kun ist neben Shinji-kun dein bester Freund. Der Arzt sagte, dass du versuchen sollst, ganz normal weiter zu machen. Vielleicht hilft es dir, wenn du dich einfach an Chloe-kun hältst...
Kazuo: Ich werd es versuchen... Ablenkung ist sicher nicht verkehrt
Anna: *lächelt* Das ist die richtige Einstellung. Und jetzt lass uns noch ein wenig schlafen. Hier, du kannst dich neben mich legen.
Kazuo: Eh? Aber... *wird leicht rot* Bin ich dafür nicht zu alt?
Anna: Kazuo... Du bist mein kleiner Bruder. Und solange du nicht geheiratet hast, wirst du nie zu alt sein, um nach einem bösen Traum einmal bei deiner großen Schwester zu schlafen
Kazuo: D-Danke...
Und damit rückte Anna etwas zur Seite und Kazuo legte sich zögerlich zu ihr. Anna schloss direkt wieder die Augen und war recht schnell eingeschlafen. Kazuo lag noch eine Weile wach, sah zu ihr und ließ das Gespräch ein wenig durch den Kopf gehen, ehe er dann doch auch langsam wieder weg nickte.
Am nächsten Tag hatten die Schüler der Klasse 2-3 eine ziemliche Überraschung. Der Lehrer kam mit zwei Schülern im Schlepptau in die Klasse, in der alten Manier, als wären es Neuankömmlinge. Nur dass es nicht wirklich Neuankömmlinge waren...
Lehrer: Okay, alle einmal gut zuhören! Kanbara-kun kennt ihr ja alle. Er hat die letzten Tage wegen eines Unfalls im Unterricht gefehlt. Leider hat er aufgrund dieses Unfalls sein Gedächtnis verloren, das heißt, er erinnert sich an niemanden hier mehr. Ich will, dass ihr ihn wie immer behandelt, keinen Aufruhr darüber macht und ihn vor sinnlosen Fragen verschont,verstanden? *streng in die Runde schaut*
Klasse: Verstanden
Lehrer: Gut. Dann zum Zweiten... Yoshioka-kun kennt ihr ja auch alle. Er ist aus familiären Gründen für ein paar Wochen fort gewesen und nun zurück gekehrt. Also dann... Yoshioka, du hast noch deinen alten Platz. Kanbara, dein Platz war dort vor Hino-kun
Die beiden Jungs nahmen auf ihren Sitzen Platz und der Lehrer begann seinen gewohnten Unterricht. Es gab keine besonderen Vorkommnisse und selbst in der kurzen Pause vor der nächsten Stunde hielt sich alles in Grenzen. Ein paar Mädchen waren neugierig zu Chloe gegangen und hatten ihm Fragen zu seinem plötzlichen Verschwinden und Wiederauftauchen und seiner neuen Haarfarbe gestellt. Chloe hatte schüchtern gelächelt und schließlich etwas stotternd die Antworten gegeben.
Kazuo saß Stirn runzelnd auf seinem Platz.
Kazuo: Uhm, Hino-kun, richtig?
Shinji: Du kannst mich Shinji nennen. Wir wa- sind immerhin beste Freunde
Kazuo: Sh-Shinji... Ehm, sag mal... Yoshioka-kun... heißt doch Chloe, oder?
Shinji: Mehr oder weniger. Chloe Spencer ist sein eigentlicher Name, aber den hält er eigentlich geheim. Hier in der Schule nennst du ihn besser Yoshioka Kuroe. Das ist sein Deckname.
Kazuo: *blickt Shinji nichts verstehend an* Deckname? Wovon redest du da?
Shinji: Herrje... *Verlegen lacht* Anna-san hat dir nicht wirklich was über die letzten Monate erzählt, oder?
Kazuo: Mir hat keiner irgendetwas über die letzten Jahre erzählt. Ich kenn ein paar Namen, die scheinbar wichtig für mich sind und ich weiß, wo ich wohne, aber das war es auch schon.
Shinji: Verstehe... In der großen Pause begleitest du mich am besten. Dann treffen wir uns und können ungestört alles bereden
Kazuo: Okay...
Gesagt, getan. Als es später zur großen Pause klingelte, stand Shinji direkt auf. Munter hatte er nach Chloe gerufen und war mit diesem und Kazuo schließlich direkt zum Schulsprecherbüro gegangen. Dort angekommen sahen sie auch schon, dass sowohl Rei, als auch Haruto und Damian schon da waren, sie munter begrüßten.
Haruto: Oi, Kanbara, alles ok bei dir?
Kazuo: Ehm, ich denke?
Rei: *schaut zu Chloe* Und dich gibt es also auch wieder hier, hm?
Chloe: Yoshioka Kuroe. Freut mich, die Bekanntschaft zu machen, Schulsprecher *lächelnd sagt*
Haruto: Ah, das heißt wohl, wir dürfen dich hier nur mit Yoshioka ansprechen?
Chloe: Es wäre zumindest praktisch
Damian: Es wäre zu auffällig gewesen, Chloe Spencer hier einzuschreiben, welcher Yoshioka Kuroe zum Verwechseln ähnlich sieht. Da war es einfacher, auf die alte Identität zurückzugreifen.
Kazuo: Ehm, nur damit ich das richtig verstehe... eigentlich heißt du Chloe, aber hier in der Schule nennst du dich Kuroe? Wieso?
Chloe: Ursprünglich bin ich wegen verdeckten Ermittlungen hier an die Schule gekommen. Mittlerweile sind die Zeiten aber vorbei. Jetzt bin ich wieder hier, damit ich auf dich aufpassen kann.
Kazuo: *stockt* Auf mich aufpassen? Wieso? Ich hab mir nur den Kopf angeschlagen und meine Erinnerungen verloren. Dafür brauch ich doch keinen Leibwächter!
Chloe: *verzieht leicht das Gesicht* Hat Anna-san gesagt, du hättest dir den Kopf angeschlagen?
Kazuo: Nein, sie hat mir überhaupt nichts erzählt... *einen bitteren Unterton hat*
Damian: Dass Anna-san dir nichts gesagt hat, liegt mit Sicherheit daran, dass sie sich um dein Wohlergehen sorgt. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich klug ist, dir von allem zu erzählen, aber ich denke, du solltest die grundlegendsten Dinge erfahren.
Kazuo: Worüber?
Rei: Darüber! *hebt seine Ringhand* Was du hier siehst sind zwei so genannte Himmelsringe. Es gibt insgesamt sieben davon.
Kazuo: Okay? *hebt eine Augenbraue*
Damian: Ob du es nun glaubst oder nicht, aber diese Ringe sind mit einer mächtigen, unnatürlichen Kraft gefüllt, die, in falschen Händen, unbeschreiblich großes Chaos anrichten kann. Darum werden diese Ringe seit jeher an von Generation zu Generation an sieben Träger, die sogenannten Wächter, gegeben, die diese Ringe hüten und vor Übel beschützen sollen.
Kazuo: Ok, also... sieben Ringe, sieben Wächter. Soweit hab ich das verstanden. Und wieso hat er zwei? *nickt zu Rei*
Damian: Weil die Angelegenheit etwas komplizierter ist. Rei-kun ist offiziell der Wolkenwächter, aber da der Wächter des Himmelsrings derzeit im Koma liegt, hat Rei-kun auch den Himmelsring, solange kein passender Ersatz gefunden oder der eigentliche Wächter wieder aufgewacht ist. Shinji-kun und Haruto-kun hier sind ebenfalls Wächter.
Kazuo: Und was seid ihr Zwei dann? *deutet auf Chloe und Damian*
Chloe: Wir gehören zur „Red Streak“. Einer alten Organisation zum Schutz der Ringe und ihrer Träger. Wir sind hier, um den Wächtern zu helfen.
Kazuo: Und wozu gehör ich?
Shinji: Du bist ein Wächter, genau wie wir!
Kazuo: Wächter? *verschränkt die Arme* Und wieso hab ich dann keinen Ring?
Shinji: Uhm... *schaut bedröppelt zu Boden*
Rei: Die Kurzfassung ist, dass einer der Wächter sich als Feind heraus gestellt hat. Er hat uns verraten und es geschafft an drei der sieben Ringe zu kommen. Dein Ring war dabei.
Kazuo: *einen Moment lang schweigt* Also... bin ich ein beschissener Wächter, weil ich meinen Ring verloren hab, huh? Steh ich deshalb unter... 'Aufsicht'?
Chloe: Du stehst doch nicht deswegen unter Aufsicht!
Kazuo: Aber du verleugnest nicht, dass ich unter Aufsicht stehe. Wieso?
Chloe: Weil...
Damian: Der Verräter zurück kommen könnte. Da du dich an nichts erinnern kannst, kannst du auch nicht kämpfen. Also wollen wir so für deinen und Anna-sans Schutz garantieren.
Kazuo: Ich hab diesen ach so tollen Ring doch schon verloren. Warum sollte ich dann noch im Visier stehen?
Damian: … Sagen wir, die Ringe sind nicht alles, hinter dem der Kerl her ist. Selbst wenn er deinen Ring schon hat, trachtet er dir immer noch nach dem Leben. Es ist besser, wenn du jemanden um dich hast, der auf dich aufpassen kann.
Kazuo: *schielt zu Chloe* Okay.
Shinji: *hebt eine Augenbraue* Okay?
Kazuo: Ich werd wohl nicht viel dagegen sagen können, also werd ich es wohl einfach akzeptieren.
Rei: Einfach so? Klingt nicht wirklich nach dem Kanbara, den wir kennen...
Kazuo: Einfach so akzeptiere ich gar nichts. Ich mach das teils für Anna. Und nur damit das klar ist, dieser eine Tag hier hat mir gereicht, um eins festzustellen: Diese Sache mit den Ringen kann ich jetzt schon nicht leiden. *schaut in die Runde* Und mit jedem einzelnen von euch ist das nicht anders!
Und damit wandte sich Kazuo einfach ab und stapfte aus dem Raum. Überrascht sahen ihm alle hinterher, tauschten schließlich verdutzte Blicke aus. Shinji seufzte leise. Da war er, der abweisende „Ich-bin-allein-besser-dran“ Kazuo. So, wie er ihn damals kennen gelernt hatte. Er hatte ihn kein Stück weit vermisst. Aber vielleicht legte sich das alles ja noch wieder mit den kommenden Tagen. Immerhin war das alles für Kazuo eine neue und verwirrende Situation.
Am Nachmittag spazierte Shinji munter durch die Innenstadt, war dabei in Begleitung von Rei und Mizuki. Die Drei gingen gemeinsam hier und da in verschiedene Geschäfte und suchten dabei nach passender Kleidung für Mizuki.
Shinji: *hebt ein T-Shirt hoch* Hier, Mizuki-chan, das ist doch hübsch!
Mizuki: Eh? *mustert das T-Shirt* Aber... *schaut auf den Preis* Ist das nicht etwas teuer?
Rei: *seufzt leise* *nimmt Shinji das Shirt ab* *drückt es Mizuki in die Hände* Jetzt geh es schon anprobieren. Ryo sagte, wir haben keine finanziellen Grenzen, also mach dir darum keinen Kopf. Du brauchst immerhin neue Kleidung
Mizuki: *wird leicht rot* O-okay...
So oder mit ähnlichen Diskussionen ging es noch eine Weile weiter, bis die drei schließlich mit etlichen Einkaufstüten bepackt zum Kojima-Anwesen kamen. Schon an der Tür wurden sie von Ryo begrüßt, welchen man mittlerweile auch aus dem Krankenhaus entlassen hatte. Noch immer zierte ein dünner Verband seinen Kopf.
Ryo: Ihr wart ja ziemlich lange unterwegs.
Shinji: Shoppen war etwas komplizierter als gedacht
Ryo: Aber wie ich sehe, seid ihr fündig geworden
Shinji: Jep, ganz viele neue Sachen für Mizuki-chan
Mizuki: *senkt leicht den Kopf* Uhm, v-vielen Dank für die neuen Sachen, Ryo-san
Ryo: Keine Ursache, Mizuki-chan.
Mizuki: Und ich... darf wirklich hier wohnen? *schüchtern fragt*
Ryo: Natürlich. Das ist besser, als auf der Straße, nicht wahr?
Mizuki nickte leicht. Es war merkwürdig in ein so großes Haus zu kommen und begrüßt zu werden. Diesen Ort künftig 'Zuhause' nennen zu dürfen. So ganz konnte Mizuki es immer noch nicht glauben.
Als sie vor zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hatte Shinji sie noch nach Hause begleiten wollen. Als sie jedoch vor jenem kleinen Mehrfamilienhaus zum Stehen gekommen war, in welchem sie ihr ganzes bisheriges Leben lang gewohnt hatte, hatte sie mit Schrecken feststellen müssen, dass von dem Haus nichts weiter als eine heruntergekommene Ruine übrig geblieben war. Mizuki hatte es einfach nicht verstanden. Nichts hatte darauf hindeuten lassen, dass jemals in den vergangenen Jahren jemand hier gelebt hatte. Selbst Mizukis Sachen waren alle fort gewesen. Das war der Moment, wo sowohl Shinji, als auch sie selbst eines realisiert hatten: Kodan hatte von Anfang an Mizuki in einem Gerüst aus Lügen leben lassen.
Noch am selben Abend hatten sie bei Rei daheim gesessen. Shinji hatte Damian über die Situation informiert und der Agent hatte ihnen beiden ruhig und sachlich erklärt, was seine kurzen Recherchen ergeben hatten: Das Haus, in welchem Mizuki gewohnt hatte, war seit zwanzig Jahren nicht mehr bewohnt gewesen. Ab dem Moment war klar, dass Mizuki mit Kodans Verschwinden rein gar nichts mehr gehabt hatte. Stumm hatte sie diese Hiobsbotschaft aufgenommen, während Rei Mizuki ohne zu Zögern direkt angeboten hatte, bei ihm unterzukommen. Ein Angebot, dass Mizuki mit Freuden angenommen hatte.
Und nun standen sie hier, hatten neue Kleidung für sie besorgt, und gerade führte Ryo sie den Flur entlang, geradewegs zu einem der Gästezimmer.
Ryo: Hier, Mizuki-chan. Ab heute kannst du das dein Zimmer nennen. Ich hoffe, es gefällt dir.
Mizuki: *betritt den Raum* *blickt sich um* Es ist viel größer und hübscher als mein altes Zimmer...
Ryo: Also gefällt es dir?
Mizuki: Ja... sehr sogar...
Shinji: *Stellt die Einkaufstaschen neben den Schrank* Das ist aber auch ein tolles Zimmer. Ich wünschte, meins wär so groß...
Rei: Du kannst jederzeit hier einziehen, Shinji
Shinji: Nein, danke. Ich bin froh, mein Bett endlich wieder für mich zu haben *lacht*
Rei: Was soll das denn heißen? *sich scherzhaft echauffiert*
Ryo: *darüber nur den Kopf schüttelt*
Mizuki: Uhm... könnte ich vielleicht einen Moment allein sein? Ich würd mich gern... einrichten...
Ryo: Natürlich. Lass dir ruhig Zeit
Und damit verschwand Ryo wieder mit den beiden Jungs in Richtung Küche. Mizuki sah ihnen kurz nach, ehe sie zur Tür ging, diese schloss und sich nochmal im Raum umblickte. Ihr neues Zuhause... So sehr sie sich darüber freute, so sehr machte es ihr aber auch etwas bewusst. Stumm rannen ihr Tränen die Wangen runter, ehe sie auf die Knie fiel. Wer bloß war sie in Wirklichkeit?
Genau diese Frage hatten sich die Kojima-Brüder und Shinji auch gestellt und so saßen sie alle gemeinsam in der Küche, wo nur wenig später Damian dazu kam, sich mit dazu setzte.
Ryo: Und? Was hat die „Red Streak“ zu Mizuki-chan heraus gefunden? *direkt auf den Punkt kommt*
Damian: Nichts Erfreuliches. Oder besser gesagt, gar nichts.
Shinji: Eh? Gar nichts?
Damian: Ja. Das Haus, welches sie als Adresse genannt hat, haben wir als Startpunkt genommen. Wir haben recht schnell durch Nachbarn und alten Dokumenten festgestellt, dass das Haus seit gut zwanzig Jahren weder bewohnt noch anderweitig genutzt worden ist. Der Abriss kostet zu viel, weshalb es einfach nur da steht und verkommt.
Rei: Ja, das wissen wir bereits...
Damian: Wir haben trotzdem noch weiter gegraben. In diesem Haus hat es zu keinem Zeitpunkt eine Familie Fukano gegeben. Darüber hinaus hat in der gesamten näheren Umgebung nie jemand mit dem Namen gewohnt gehabt.
Shinji: Nicht?
Damian: Nein. Und es gab auch niemanden, im Umkreis von einem Kilometer um das Haus, der sich erinnern konnte, jemals schon mal Mizuki gesehen zu haben.
Shinji: Aber Mizuki kann doch nicht gelogen haben!
Ryo: Hat sie auch nicht... Kodan hat Illusionen genutzt. Eine Verschleierung, mit welcher Mizukis und seine Anwesenheit einfach versteckt wurde. Niemand konnte die Beiden sehen, also konnte niemand sich an sie erinnern. Und für Mizuki hat er mit demselben Trick aus der Ruine ein Haus gemacht, inklusive dem Trugbild, dass sie eine Mutter hätte.
Shinji: So-Sowas geht?
Damian: Theoretisch ja, praktisch würde ich es ausschließen, weil das Ausmaß an Kraft und Macht dafür weit über dem Möglichen liegt. Allerdings...
Ryo: Reden wir hier von Kodan. Er hat Mizuki-chan 14 Jahre lang ein falsches Aussehen vorgespielt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass seine Macht jeden einzelnen von uns übertrumpft, wenn er es drauf anlegt
Shinji: Und... wo ist Mizuki-chans Mutter dann?
Damian: Die Frage müsste eher lauten, wer Mizukis Mutter ist. Das ist nämlich der nächste springende Punkt. Mizuki sagt, sie sei in Niigata geboren und aufgewachsen. Aber es gibt nirgendwo eine Urkunde oder sonst einen Hinweis dazu. Offiziell existiert sie gar nicht.
Rei: *stockt* Also... mit anderen Worten...
Damian: Ja, Fukano Mizuki ist in ihrer ganzen Existenz eine gewaltige Lüge.