Willkommen

auf Flame of the Abyss! Dies ist eine Shonen-Ai & Action-Staffel. Begleitet unsere Helden dabei, wie sie versuchen, die Welt vor dem Chaos zu bewahren und sich doch dabei immer weiter in ein Netz aus Lügen und Intrigen verstricken, ohne zu wissen, wer nun wirklich ihr Freund ist und wer ihr Feind...
Schaut euch doch in Ruhe um. Ich wünsche euch viel Spaß ^.^



Flame of the Abyss

Episode 06


Das Tagebuch Part 2


Kodan ist tot.

Kazuo verschluckte sich an dem Keks, den er gerade aß. Anna hatte ihm gerade eben welche ins Zimmer gebracht, die er nun nebenbei genoss, während er weiter in seinem Tagebuch hatte lesen wollen. Allerdings hatte direkt der erste Satz des neuen Eintrages ihn aus dem Konzept gebracht. Kodan war tot? Was hatte er verpasst? Hatte er sich verlesen? Nein, die ganze Seite wirkte etwas verwischt – scheinbar hatte er beim Schreiben hiervon wirklich geweint – aber er konnte trotzdem alles problemlos erkennen. Hastig schluckte er den Keks runter, dann las er noch einmal vom Neuen.

5. Mai 2013
Kodan ist tot. Ich kann es immer noch nicht so ganz glauben. Es sollte ein ganz normales Baseball-Turnier werden. Und dann hat "Nightmare" einen Anschlag geplant. Das Stadion sollte komplett zum Einsturz gebracht werden. Kodan hat rechtzeitig das Ganze rausgekriegt und uns gewarnt, aber die "Red Streak" hat ewig mit der Evakuierung gebraucht. Ich hab gegen einen von "Nightmare" gekämpft. So konnte ich wenigstens eine Bombe verhindern. Kurz darauf hatte mich aber einer der "Red Streak" da raus geholt. Ich wünschte, er hätte es nicht getan. Chloe war aufgetaucht und meinte, die Lage sei gesichert, aber dann ist doch eine Bombe hochgegangen. Die, um die sich Kodan kümmern wollte. Alles um die Bombe herum ist eingestürzt. Ich weiß nicht, was schlimmer war. Die Explosion, die Tatsache, dass Menschen gestorben sind oder der Fakt, dass ich Kodan verloren habe, bevor ich ihm sagen konnte, dass ich ihn ebenfalls liebe. Das Leben ist ja so grausam. Hätte ich Anna nicht, wäre ich Kodan ohne zu Zögern gefolgt. Dessen bin ich mir sicher...

Kazuo lief es eiskalt den Rücken runter. Dieser Eintrag... Bisher hatte er gedacht, „Nightmare“ wär nur eine kleine Gruppe gewesen, die die Ringe haben wollte. Er hätte nicht damit gerechnet, auf einmal etwas von Bomben und Anschlägen zu lesen. Von Toten! Und ganz besonders Kodan. Und der Gedanke, dass Kazuo am liebsten für Kodan sich umgebracht hätte, war auch enorm beängstigend. Wie weit war er bitte in diesen Mann verliebt gewesen? War er es theoretisch auch jetzt noch? Kazuo musste zugeben, es machte ihm etwas Angst, zu lesen, wie sehr er jemanden einmal geliebt haben musste. Aber wenn Kodans Tod ihn so sehr erschüttert hatte, warum war Kodan dann jetzt noch am leben?

Ryo: Wieso klebst du so sehr an ihm?
Miles: Wovon redest du?
Ryo: Du weißt genau, wen ich meine. Siehst du denn nicht, dass da etwas ganz gehörig schief läuft mit dem Kerl?
Miles: Das ist nur dein Eindruck. Du hast den Ringen von Anfang an misstraut. Ryo, ich glaube, du suchst einfach nur akribisch nach etwas, was nicht in Ordnung sein könnte, damit du sagen kannst, dass du Recht hattest
Ryo: Was? Wieso sollte ich? Ich mach mir nur Sorgen.
Miles: Und deswegen machst du ihn zu deinem Sündenbock?
Ryo: Ich mache niemanden zu meinem Sündenbock. Es ist einfach ein Fakt, dass mit ihm irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die Macht der Ringe ist ihm längst zu Kopf gestiegen!
Miles: *schüttelt leicht den Kopf* Ich bin mir sicher, du irrst dich. Und würdest du dir etwas mehr Mühe geben, würdest du auch erkennen, dass er in Ordnung ist *sich abwendet*
Ryo: *seufzt* Viel eher erkenne ich, dass er dich viel zu sehr um den Finger gewickelt hat, Miles... *murmelt*

7. Juli 1808
Saya will gar nicht mehr zurück nach Japan. Ich habe schon überlegt, ob ich einen Brief an unsere Familien schicke, in welchem ich mich dafür entschuldige, dass wir einfach davon gelaufen sind. Aber ich fürchte, sie würden nach uns suchen kommen, wenn sie erfahren, wo wir sind und das kann ich nicht verantworten. Dafür fürchte ich zu sehr, dass etwas noch schief gehen wird. Und was, wenn ich Saya verliere, und dann ihr Vater hier auftaucht? Nein, niemand darf wissen, wo wir sind oder was wir hier machen. Nicht, ehe ich nicht rausbekommen habe, was wirklich im Kopf von diesem Kerl vor sich geht. Etwas stimmt da doch nicht. Aber ich kann nicht sagen, ob es an den Ringen liegt oder ob wir ihm nicht einfach nur mit den Ringen perfekt in die Hände gespielt haben... Warum nur bemerkt niemand außer mir, dass etwas an der Sache faul ist?

Mizuki stockte. Jedes Mal, wenn sie einen weiteren Eintrag von Ryo las, hatte sie das Gefühl, sich an etwas zu erinnern, was sie unmöglich wissen konnte. Bisher waren es Szenen gewesen, die unmittelbar den Tagebucheintrag hätten darstellen können. Diesmal war es anderes gewesen. Warum hatte sie ein vermeintliches Gespräch zwischen Ryo und Miles gesehen, wenn Ryo diesen doch mit keinem Wort erwähnt hatte? Und noch immer wusste sie nicht, von wem Ryo da die ganze Zeit sprach. Es war, als ob der Name gar nicht existierte. Aber das konnte unmöglich sein...

6. Mai 2013
Kodan lebt! Ich kann mein Glück gar nicht fassen, als ich die Nachricht von ihm gelesen habe. Ich war sofort zu ihm gerannt. Dieser Bastard von Chloe... Hatte uns erzählt, die Lage sei gesichert... Dabei war er derjenige, der Kodan im Stadion noch gestellt hatte und ihn ausgeknockt hatte. Chloe wollte Kodan umbringen und fast hätte er es sogar geschafft. Aber nur fast. Kodan hat es noch rechtzeitig geschafft, zu fliehen. Und in aller Heimlichkeit gab er mir Bescheid. Als ich bei ihm war, habe ich ihm sofort meine Liebe gestanden. Er war so glücklich, als er das gehört hatte. Ich erinnere mich jetzt noch an diesen stürmischen ersten Kuss, seine langen Finger auf meiner Haut... Allein beim Gedanken an unser erstes Mal wird mir richtig heiß... Ich könnte nicht glücklicher sein... Aber Chloe wird seine Aktion im Stadion noch bereuen!

Den Keks, den Kazuo in der Hand gehalten hatte, zerbröselte, noch bevor er den Weg in seinen Mund gefunden hatte. Langsam löste Kazuo wieder den Druck seiner Finger. Was war das? Chloe hatte Kodan beinahe umgebracht beim Stadion? Kurz schielte er zur Tür, als ob Chloe jeden Moment herein kommen würde. Wieso sollte der Blonde das tun? Andererseits... Wieso auch nicht? Wenn Kodan der „Red Streak“ ein Dorn im Auge war wie jene Frau vor Jahren bei dem vorherigen Wächter, dann war es kein Wunder, dass man ihn aus dem Weg räumen wollte. Und so hätte man es problemlos „Nightmare“ in die Schuhe schieben können. Kazuo kniff die Lippen zusammen. Chloe... Was für eine falsche Schlange der Mistkerl doch war!

Ryo: Verdammt, Miles, du kannst nicht vor der Wahrheit davon laufen!
Miles: Ich laufe nicht vor der Wahrheit davon. Du bist derjenige, der die Wahrheit nicht sehen will, Ryo!
Zero: *in den Garten kommt* Ihr seid ziemlich laut. Etwas los?
Miles: Warum fragst du nicht Ryo? Er behauptet steif und fest, wir hätten einen Verräter unter uns!
Ryo: Ich behaupte es nicht nur, ich weiß es!
Miles: Du weißt überhaupt nichts!
Zero: *das Ganze beobachtet* Miles. Hast du dir seine Argumente einmal angehört?
Miles: *stockt* Zero... Sag bloß, du stimmst ihm zu
Zero: Ich stimme niemandem zu. Aber mich würde eine unleutere Person unter den Ringträgern nicht wundern.
Miles: *schnaubt* Du bist doch genauso verrückt wie er! *davon stürmt*
Ryo: Miles, warte! *ihm nachruft*

12. Juli 1808
Saya verbringt ihre Zeit fast nur noch mit den anderen Ringträgern. Mich hat sie fast völlig ausgeblendet. Ob sie noch weiß, dass ich ihr bester Freund bin? Mir soll es gerade ehrlich gesagt Recht sein. Ich konzentriere mich eh gerade nur darauf, meinen Verdacht zu bestätigen. Ich hatte gehofft, Miles würde mir etwas mehr entgegen kommen, aber er steht voll und ganz auf der Seite von diesem Bastard. Langsam fange ich an, ihn mit vollem Herzen zu hassen. Wie er mich arrogant angrinst. Als ob er weiß, dass ich weiß, dass er unser Feind ist, aber er sich völlig sicher ist, dass ich ihm niemals etwas beweisen könnte. Und ohne Beweise wird mir keiner der anderen glauben. Zumindest die meisten. Zu meiner Überraschung hat Zero aber wenigstens meine Vermutungen angehört. Sie hat nichts dazu gesagt, aber ich glaube, sie schenkt ihnen mehr Beachtung als die Anderen. Und das ist zumindest ein Anfang.

Mizuki lehnte sich zurück. Das alles klang so verwirrend. Sie hatte das Gefühl, als ob die Situation, die die Wächter scheinbar vor 200 Jahren gehabt hatten, nun wieder aktuell war. Ein verwirrendes Katz-und-Maus-Spiel und gewonnen hatte der, der sich besser verstecken konnte. Es beunruhigte sie, dass die Dinge damals dem Hier und Jetzt so unglaublich ähnlich waren. Nicht zuletzt weil Miles sie so sehr an Kazuo erinnerte. Stur und von den Ansichten Kodans überzeugt. Und es machte es nicht besser, dass Miles in ihren Visionen genau wie Kazuo blond und grünäugig war. Das konnte doch kein Zufall sein...

7. Mai 2013
Ich habe Chloe gestellt. Ich wollte wissen, warum er Kodan umbringen wollte. Chloe hat irgendetwas davon gefaselt, dass Kodan ein Verräter sei. Ich habe gelacht. Wenn einer hier verräterisch war, dann war es die "Red Streak" mit ihren ach so tollen Lügen. Das alles ist doch nur eine gewaltige Scharade! Auf Chloes Worte falle ich jedenfalls nicht rein. Aber was mich überrascht hat, war, dass er mir schließlich völlig aufgebracht die Liebe gestanden hatte. Chloe? Mich lieben? Er hatte mich sogar an die Wand gedrängt und mir einen Kuss aufgezwungen. Ich habe ihn weggestoßen und ihm lauthals gesagt, dass ich nur Kodan liebe. Chloes hasserfüllten Blick werde ich sicher nicht vergessen. Genauso wie seine Worte. "Ich werde niemals zulassen, dass Kodan derjenige ist, der dich hat." So ein verrückter Mistkerl!

Kazuo senkte das Tagebuch und atmete tief durch. Was er hier gelesen hatte, wirkte überhaupt nicht, wie der Chloe, den er die vergangenen Tage kennen gelernt hatte. Und doch hatte er in der Schule gut gesehen, dass Chloe ein guter Schauspieler war. Warum also nicht jetzt gut Freund spielen. Jetzt, wo er nichts von Kodan befürchtete und Kazuo für sich hatte. Er schüttelte den Kopf. Er war völlig verwirrt. Hatte keine Ahnung, was er nun wirklich von Chloe denken sollte. Was nur war die Wahrheit und was gelogen? Wenn es wenigstens irgendetwas in ihm gab, das ihm sagte, was er glauben sollte. Aber da war nichts. Er war völlig auf sich gestellt.
Er blätterte um und sah, dass nur noch ein einziger Eintrag in seinem Tagebuch war. Kurz schloss er die Augen, dann las er auch noch den Rest.


8. Mai 2013
Gestern ging eine Nachricht unter den Wächtern herum. "Nightmare" plant einen erneuten Anschlag. Heute. Auf den Skyfall Tower. Als ob die Toten am Baseball-Stadion nicht schon gereicht hätten! Aber das Beste kommt noch. Nakatsukasa hat persönlich bei mir angerufen. Er will mich vor dem Anschlag noch am Maskenschrein treffen. Will wohl versuchen, Frieden zu verhandeln und mir einen vorgaukeln, dass er auf unserer Seite steht. Wie dämlich von ihm. Er scheint nicht zu wissen, dass ich voll und ganz auf Kodans Seite stehe. Nicht ich werde ihm in die Falle laufen, er wird mir in die Falle laufen und dann werde ich ihn an Kodan ausliefern und meine Schuld begleichen. Aber was mich beunruhigt ist, wie sehr die Wächter auf die Handlungen und Entscheidungen der "Red Streak" trauen. Sie fressen der "Red Streak" aus der Hand wie dressierte Schoßhunde. Merken die denn nicht, wie abgekartet das alles ist? Warum hat noch niemand das Thema angeschnitten, dass dieser Damian und Kojima Ryo befreundet sind? Da kann das alles doch nur faul sein! Kodan hat mich gewarnt, dass ich vorsichtig sein soll. Ich will zwar den Spieß umdrehen, aber ich weiß nicht, was Nakatsukasas Falle sein wird. Ich bin allerdings zuversichtlich. Ich werd Nakatsukasa fertig machen und dann dorthin zurückkehren, wo ich hingehöre: An Kodans Seite.

Kazuo schloss das Tagebuch. Wieder ein Anschlag. Er hatte sogar vom Einsturz des Skyfall Towers in den Nachrichten gehört. Das war also auch „Nightmare“ gewesen. Kojima Ryo... und Damian von der „Red Streak“. Waren die Beiden mittlerweile offen Verbündete? Warum sagte niemand etwas dagegen? Er verstand es einfach nicht. Aber was er verstand war, dass die Falle nicht funktioniert hatte. Kazuo wusste nicht, was aus diesem Nakatsukasa geworden war, aber egal was passiert war, Kazuo war ihnen trotzdem in die Falle gegangen und er hatte sein Gedächtnis deswegen verloren. Vielleicht dachte die „Red Streak“, dass sie damit die Kontrolle über ihn hatten, aber da hatten sie wohl nicht damit gerechnet, dass er alles Wichtige in einem Tagebuch niedergeschrieben hatte. Er hatte sich abgesichert. Die „Red Streak“ hatte keine Chance. Kazuo konnte sich an nichts erinnern, aber zumindest wusste er jetzt, was Sache war. Er gehörte zu Kodan!

18. Juli 1808
Ich komme zu spät. Ich habe so verzweifelt versucht, Beweise zu finden und die Ringträger auf meine Seite zu ziehen, dass ich nicht bemerkt habe, was wirklich sein Plan gewesen war. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass Saya und die Anderen die Sache wieder gerade gebogen bekommen. Ich wünschte nur, ich hätte früher etwas tun können. Warum bin ich kein Flammennutzer? Warum hätte ich nicht der siebte Wächter werden können? Etwas Schreckliches wird passieren und selbst wenn wir das Schlimmste verhindert bekommen, habe ich Angst, dass nicht alle von uns wieder zurückkehren werden. Insbesondere Miles... Dieses ganze Desaster. Ich wollte es unbedingt verhindern, aber ich bin gescheitert. Das werde ich mir nie verzeihen können!

Mizuki zitterte leicht. Zwischen diesem und dem vorherigen Eintrag lagen sechs Tage. Was war in der Zeit passiert? Irgendetwas war eskaliert. Nur was? Sie erstarrte. Wieder hatte sie das Gefühl, eine Erinnerung zu sehen, doch diesmal war es viel intensiver. Wieder sah sie vor sich jene Höhle, die sie schon in ihrem Traum gesehen hatte. Dieser Altar... Diesmal wirkte er viel größer. Bis Mizuki realisierte, dass sie am Boden lag, zu diesem und der Decke hinauf schaute. Es war nicht so wie die letzten Male, als sie alles von der Perspektive eines Fremden gesehen hatte. Diesmal schien sie Teil der Szene zu sein. Angst durchströmte sie. Sie lag da, Schmerz durchzog sie und über sie beugte sich schließlich ein junger Mann. Sein Haar war braun, nur wenig länger als seine Schultern und es fiel ihm wirr an den Seiten des Gesichts entlang. Sie erstarrte. Dieser Mann... Es war nicht Kodan, aber er sah ihm so unglaublich ähnlich und sein rechtes Auge... war blutrot!
Leise kam es über ihre Lippen. „Wieso... Kodan...“
Mizuki sprang auf. Das Tagebuch fiel zu Boden. Die Hand hielt sie sich vor den Mund. Es war beängstigend. Was auch immer da vor sich ging, sie verstand es nicht und es machte ihr Angst. Waren es Erinnerungen oder Visionen? Warum sah sie das alles? Und wieso schien es, als ob Kodan schon vor zweihundert Jahren gelebt hatte?
Ein Schwall von Übelkeit überkam sie und ohne groß Nachzudenken stürzte sie los und verschwand geradewegs im Bad. Das alles war einfach zu viel für sie.



Previous Episode? ~ Next Episode?