Als Mizuki am Abend erwachte, stellte sie fest, dass sie in ihrem eigenen Bett lag. Wer sie wohl hierher gebracht hatte? War es Aden gewesen? Sie konnte sich tatsächlich gerade niemand anderen vorstellen. Sie würde ihn später fragen und sich dann bedanken, sollte ihr Verdacht stimmen.
Doch fürs Erste stand sie auf, wollte schauen, wo alle waren. Sie musste unbedingt erzählen, was vorgefallen war.
Fündig wurde Mizuki zu ihrer großen Überraschung weder in der Küche, noch in der Bibliothek, sondern tatsächlich in Ryos Zimmer. Sie saßen alle dort. Ryo an seinem Schreibtisch, Aden und Robin auf dem Bett und sogar Shinji und Haruto waren da, hatten es sich auf dem Boden bequem gemacht. Shinji bemerkte sie als erstes.
Shinji: Mizuki-chan, du bist wieder wach!
Mizuki: *nickt leicht* Wieso... sind alle hier?
Ryo: Das hier ist das ungestörteste Zimmer.
Aden: Alles in Ordnung?
Mizuki: *ihn anlächelt* Ja, alles bestens. *in die Runde schaut* Wo ist Damian?
Shinji: Er ist bei Cyrus im Krankenhaus geblieben. Es steht nicht gerade gut um ihn...
Mizuki: Oh...
Haruto: Aber Rei geht es besser. Er wird sicher bald wieder entlassen!
Mizuki: Ja, das dachte ich mir. Das war auch seine eigene Vermutung.
Haruto: Seine eigene Vermutung?
Shinji: Ah, sag bloß, du hast mit ihm gesprochen?
Mizuki: *nickt* Als ich bewusstlos wurde, bin ich in mein Traumschloss gelangt. Ich habe Rei dort getroffen und mit ihm sprechen können
Ryo: Es geht ihm psychisch gut?
Mizuki: Er sagte, der Skyfall Tower sei schlimmer gewesen
Ryo: *nickt* Verstehe...
Mizuki: *sieht Ryo an* Ah, aber ich habe in meinem Schloss noch jemand anderen getroffen! *ausruft* *lächelt* Toshiro-kun hat den Weg dorthin gefunden!
Alle: *überrascht aufsehen*
Ryo: *die Augen weitet* Toshiro?
Mizuki: *nickt* Ich weiß nicht genau, wie, aber sein Bewusstsein hat den Weg in mein Schloss gefunden. Wir haben miteinander gesprochen und fürs Erste wird er auch dort bleiben, damit wir weiter Kontakt halten können! *ihr Lächeln etwas verblasst* Er sagt, er könne seinen Körper nicht mehr spüren... Ist alles damit in Ordnung?
Ryo: *den Blick senkt* Er lebt, aber sein Zustand hat sich wieder verschlechtert. Wir sind wieder beim Ausgangspunkt...
Mizuki: Oh...
Ryo: *wieder aufsieht* Aber es klingt nach einem Fortschritt, wenn du mit ihm reden konntest... Wie geht es ihm?
Mizuki: Er schien anfangs große Angst zu haben zu sterben, aber nachdem ich ihn in einen anderen Teil des Schlosses gebracht habe, ging es ihm schon gleich besser. Gerade ist Rei-kun noch dort und bringt ihn auf den aktuellsten Stand
Shinji: Hm? Mizuki-chan, die Beiden können im Schloss sein, ohne dass du dort bist?
Mizuki: *nickt* Ich habe selbst nicht gewusst, dass es möglich ist, aber ja, sie können dort sein, ohne dass ich dort bin. Allerdings höre ich pausenlos ihre Stimmen, wenn sie etwas sagen. Es ist etwas schwer, sie zu ignorieren
Haruto: ich glaub, sowas würde mich wahnsinnig machen...
Aden: *etwas verwirrt in die Runde schaut* Uhm...
Robin: Können wir nachfragen, was es mit diesem Schloss auf sich hat? *nüchtern fragt*
Shinji: Oh stimmt, es wissen ja nicht alle davon...
Mizuki: Es ist meine Fähigkeit. Eine eigene Gedankenwelt, in die ich im Schlaf ausgewählte Personen einladen kann.
Robin: Verstehe...
Haruto: Oh, aber bevor ich es selbst noch vergesse... *sich den Ring vom Finger zieht* Hier, Aden, fang! *den Ring Aden zuwirft*
Aden: *den Ring fängt* Der Sonnenring!
Haruto: Morgen fangen die Abschlussprüfungen an. Ich werd dann keine Zeit mehr haben, und sollten meine Noten stimmen, pack ich direkt für Tokyo. Also geb ich dir lieber jetzt schon den Ring
Shinji: Aden-kun bekommt deinen Ring? *überrascht sagt*
Haruto: *nickt* Damian, Rei und ich haben das Ganze abgeklärt. Ich hab ein Stipendium für das HSC in Tokyo. Aber da alle Ringe besser an einem Ort sind, wird Aden mein stellvertretender Wächter, solange Kodan noch ein Problem ist. Oder ich in Tokyo bin
Aden: *den Ring mustert* *dabei munter lächelt* Ich... Ich werde mein Bestes geben... ein Wächter zu sein!
Shinji: Na dann... WIllkommen im Team, Aden-kun!
Aden: Danke!
Ryo: Hm~ ein neuer Wächter also... *lächelt* Gut, wenn ihr das für die richtige Entscheidung haltet... *schaut zu Shinji und Haruto* Dann wünsche ich euch Beiden noch viel Erfolg bei den Prüfungen morgen!
Shinji schloss die Türe auf und betrat die Wohnung. Kurz rief er, dass er wieder daheim war, dann wollte er sich auch schon auf den Weg in sein Zimmer machen.
Tetsuya: Du warst ja ziemlich stürmisch fort. Ist wieder etwas passiert?
Shinji: Rei und noch ein Verbündeter liegen im Krankenhaus. Autobombe
Tetsuya: Eine Autobombe? Und wie geht es ihnen?
Shinji: Rei ist sicher bald wieder raus. Aber... dieser Verbündete liegt auf der Intensivstation
Tetsuya: Das tut mir Leid... Die Bombe hat aber nichts mit dem Attentat auf das Krankenhaus zu tun, oder?
Shinji: *stockt* Woher?
Tetsuya: Es ist in den Nachrichten. Ist das Teil eurer Angelegenheit?
Shinji: Sie haben versucht, Nakatsukasa-kun zu attackieren. Er liegt dort im Koma
Tetsuya: Nakatsukasa... *seufzt* Und ihr kriegt das sicher auf die Reihe? Die "Red Streak" scheint ja nicht gerade hilfreich zu sein. Vielleicht solltet ihr doch uns alte Hasen miteinbeziehen
Shinji: Ich dachte, du willst mit den Wächtern nichts mehr zu tun haben
Tetsuya: Ich will mit der "Red Streak" nichts mehr zu tun haben. Und vielleicht mit Kojima Seijiro. Aber das heißt nicht, dass ich tatenlos zusehen würde, wie mein Sohn in seinen Untergang rennt.
Shinji: // Was hat Dad denn gegen Reis Vater? // Ich denke schon, dass wir das auf die Reihe bekommen werden. Wir dürfen nur nicht unvorsichtig werden.
Tetsuya: *sieht ihn zweifelnd an* Wenn du das sagst...
Shinji: *lächelt ihn an* Oh, aber... Vielleicht gibt es ja etwas, was du weißt.
Tetsuya: Und zwar?
Shinji: Sagt dir der Name "Kodan" etwas?
Tetsuya: *stockt* Kodan?
Shinji: *nickt* Ja, das ist der Name unseres Feindes und... Wir wissen kaum was über ihn. Vielleicht ist er ja schon in eurer Generation ein Thema gewesen. Immerhin muss Ryo-san ja irgendwie auf ihn aufmerksam geworden sein
Tetsuya: Der Name sagt mir nicht sehr viel und noch weniger in dieser Zeit...
Shinji: In dieser Zeit?
Tetsuya: Naja... Wie du vielleicht noch von meinen alten Geschichten weißt, waren die ersten Wächter bereits eine internationale Gruppe. Die Leute kamen aus verschiedenen Teilen Europas und Asiens und gefunden haben sie sich in Schottland.
Shinji: Ja... Und?
Tetsuya: Nun, es gab eigentlich nur eine Wächterin, die aus Japan kam, auch wenn sie nicht allein dort gewesen ist. Aber ein weiterer Wächter kam später mit nach Japan und zwei, drei Generationen später folgte auch der Wächter des Himmelsringes... Mir sind die Namen der ersten Wächter nicht bekannt. Im Laufe der Generationen sind sie in der Familienerzählung in Vergessenheit geraten. Mir ist lediglich bekannt, dass wir direkte Nachfahren des ersten Regenwächters sind und somit schon seit der ersten Generation den Regenring besitzen. Außer uns und der Kojima-Familie hat das keiner geschafft
Shinji: Wow, das klingt ziemlich cool. Aber... Was hat das mit Kodan zu tun?
Tetsuya: Nun, es gibt keine richigen Namen mehr, die überliefert worden, aber... Mein Großvater hat mir immer gesagt, das einer der Wächter damals böse geworden ist. Er ist... "in die Schatten gefallen", so hat er es genannt. Und er hat eine schwarze Flamme erschaffen und mit seinen Lügen alle anderen hintergangen und verraten.
Shinji: *schluckt* Okay...
Tetsuya: Dieser gefallene Wächter... unser Vorfahre hat ihm damals den Spitznamen "Lügenbold" gegeben...
Shinji: Kodan...
Tetsuya: Ich weiß nicht, ob es eine Verbindung zwischen dem gefallenen Wächter und eurem jetzigen Feind gibt, aber sollte dem sein, dann seid auf der Hut. Diese schwarze Flamme, die jener Kodan beherrschte, war angeblich mächtiger als jede andere Wetterflamme und sie verunreinigte das menschliche Herz, füllte es mit Hass und Zorn und brachte nichts als Chaos und Verderben
Shinji: Das... Hoffen wir mal, dass es nur Zufall ist, dass unser Feind so heißt. Und dass das alles nichts miteinander zu tun hat
Tetsuya: Ich wünsch euch alles Glück der Welt, dass dem so ist...
In der Nacht lag Robin da, konnte einfach nicht einschlafen. Immer wieder drehte er sich hin und her, starrte mal die Wand, mal die Decke an. Am Ende gab er es auf. Er richtete sich in seinem Futon auf. Sein Blick fiel auf Aden, der im Futon neben ihm lag, friedlich schlief. Der Ring an seiner Hand funkelte im Mondlicht. Robin verzog das Gesicht.
Leise stand er auf, schlich sich aus dem Zimmer und raus in den Garten. Er ging etwas den kleinen Steinweg entlang, blieb im hinteren Teil des Gartens schließlich stehen. Er neigte den Kopf etwas, blickte hoch in den Sternenhimmel. Er atmete tief durch. Der Himmel war so unglaublich dunkel. Es erinnerte ihn an die schwarzen Wolken, die er in seiner Vision gesehen hatte. Diese grässlichen schwarzen Wolken zusammen mit diesem roten Himmel. Er konnte den ganzen Tag schon nichts Anderes, als immerzu daran zu denken. Die Bilder, die er gesehen hatte. Er wusste nicht, wie Kodan eine solche Hölle auf Erden schaffen wollte, aber Robin zweifelte nicht daran, dass Kodan das schaffen würde, wenn sie ihn nicht vorher aufhalten würden. Und wenn sie das nicht würden, dann...
Robin schüttelte den Kopf. Nur um überrascht zu blinzeln. Direkt vor seiner Nase schwebte sein Handy. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass er es hatte schweben lassen. Er seufzte leise, nahm es einfach in die Hand. Was sollte er sich selbst groß verleugnen? Schnell war die Nummer gewählt und er hielt das Telefon an sein Ohr, wartete ab, dass abgenommen wurde.
Chloe: R-Robin? *verschlafen nuschelt*
Robin: Chloe...
Chloe: Ist etwas passiert?
Robin: . . . Nein, nichts...
Chloe: Wieso rufst du dann an? Das tust du sonst nie...
Robin: Weiß nicht... Ich wollt einfach reden...
Chloe: *etwas wacher klingt* Sicher, dass nichts passiert ist? Du klingst bedrückt
Robin: Ich kling immer bedrückt...
Chloe: Nein, das ist eine andere Art von bedrückt...
Robin: Was macht dich da so sicher?
Chloe: *kichert* Ich bin dein Bruder, Robin... Ich merke doch, wenn etwas nicht stimmt
Robin: Tust du das?
Chloe: *seufzt* Natürlich...
Robin: Ist mir nie aufgefallen...
Chloe: *einen Moment schweigt* Gibt es etwas bestimmtes, über das du reden möchtest?
Robin: Weiß nicht... Ich... Nein...
Chloe: Darf ich dann einfach etwas sagen?
Robin: Ja...
Chloe: *atmet einmal tief durch* Es tut mir Leid, Robin. Ich weiß, ich bin dein Bruder, und als solcher sollte ich für dich da sein und mich um dich sorgen, aber... darin habe ich wohl ganz schön versagt. Ich... Nach der Sache damals habe ich nie gewusst, wie ich mit dir umgehen soll. Ich habe anfangs Angst vor deinen Fähigkeiten gehabt, danach war es Reue, dass ich in der schwersten Zeit für dich nicht da gewesen war. Und dann... Dann haben wir irgendwie aneinander vorbei gelebt... *lacht leise* Selbst jetzt widme ich meine Aufmerksamkeit ganz anderen Dingen... Ich bin ein miserabler Bruder
Robin schluckte, bemühte sich, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Er durfte ihnen nicht freien Lauf lassen. Und doch... Er hatte das Bedürfnis zu weinen. Wie nur konnte Chloe so zielgenau verstehen, was in Robin vor sich ging? Konnte zielgenau das sagen, das Robin gerade im Moment wirklich hören wollte?
Robin: ... Aber du BIST ein Bruder... Nur weil ich nicht zeige, was ich denke, heißt das nicht, dass ich nicht denken kann. Ich weiß genau, warum du so gehandelt hast. Ich hab dich immer verstanden... Ich... wusste, dass es zu meinem Wohl war, dass du auf Abstand gegangen bist... Aber... ich weiß auch, dass ich immer mit dir hätte reden können, wenn ich nur gewollt hätte
Chloe: *schluckt* Du kannst auch jetzt mit mir reden, wenn du nur willst... Ich bin für dich da, Robin...
Robin: Ich weiß...
Chloe: Was ist passiert?
Robin: *den Blick senkt* Ich hab mich mit Aden gestritten...
Chloe: Mit Aden? Wie das?
Robin: Ist einfach passiert...
Chloe: *abermals seufzt* Gönn ihm einfach etwas Ruhe. Ich bin mir sicher, in ein, zwei Tagen ist alles wieder normal...
Robin: Meinst du?
Chloe: Natürlich. Du bist Aden verdammt wichtig. Er würde eure Freundschaft nicht einfach aufs Spiel setzen
Robin: Chloe...
Chloe: Ja?
Robin: Danke...
Chloe: Keine Ursache. Ist sonst noch etwas?
Robin: *überlegt einen Moment* Nein, nichts... Das Gespräch hat mir sehr geholfen...
Chloe: Freut mich, dass ich einmal eine Hilfe für dich sein konnte...
Robin: Ich... leg auf...
Chloe: In Ordnung. Schlaf gut, Robin...
Robin: *lächelt leicht* Ja... du auch...
In einem anderen Teil des Anwesens war ebenfalls noch jemand wach. Sarara saß da, am Schreibtisch und blickte auf ihren Laptop. Der Bildschirm war die einzige Lichtquelle im ganzen Raum, das Tippen ihrer Finger das einzige Geräusch. Akribisch tippte sie die Nachricht in den Chatlog, las sie noch einmal, ehe sie doch auf Enter drückte und sie abschickte.
Sarara: Heute Mittag ist ein Auto vor der Haustüre explodiert. Rei-kun liegt im Krankenhaus. Ich habe keinen Fortschritt bei Ryo-kun erbringen können. Er hat zugegeben, eine Beziehung mit Nakatsukasa Toshiro zu führen und blockt mich vollständig ab.
Sie saß da, blickte abwartend auf den Bildschirm. Sie wusste nicht, wie Seijiro auf die Nachricht reagieren würde. Fast schon befürchtete sie, Ärger zu bekommen. Obwohl sie erst einen Tag da war und sie auch nichts für die Autobombe konnte. Doch die Angst, Seijiros Erwartungen nicht zu entsprechen, war groß. Umso hastiger überflog sie die Antwort, als diese schließlich ankam.
Seijiro: Ryo ist stur. Bleib einfach am Ball. Nakatsukasa sollte dich nicht aufhalten.
Sarara: // Kein Kommentar zu Rei-kun? // Es sieht nicht so aus, als würde er mit dem Gedanken spielen, den Jungen aufzugeben.
Seijiro: Er wird ihn früh genug aufgeben. Nutz Rei als Druckmittel. Stell dich ihm nahe und zeig Ryo damit, wie ernst du die Verlobung meinst
Sarara: Ich glaube, Rei-kun ist mir gegenüber genauso misstrauisch wie Ryo-kun
Seijiro: Das sollte dich nicht daran hindern.
Sarara: Ich weiß aber auch nicht, wann er aus dem Krankenhaus entlassen wird
Seijiro: Solange er bei Bewusstsein ist, sollte der Ort für dich keine Rolle spielen. Rei ist dein Schlüssel zu Ryo. Nutze ihn.
Der kleine Icon neben Seijiros Namen wechselte seine Farbe zu grau. Sarara seufzte leise. Seijiro war offline. Und sie saß hier und wusste nicht so Recht, was sie mit all dem anfangen sollte. Dass sie vermutlich Rei nutzen musste, um näher an Ryo zu kommen, war ihr auch schon bewusst geworden. Nur das war schwerer als gedacht. Nahezu niemand in diesem Haus konnte sie gut leiden. Gut, sie hatte vielleicht einen schlechten Start gehabt, aber so schlecht? Sarara rieb sich die Schläfen. Sie hoffte bloß, dass sie noch Erfolg haben würde. Seijiro zu enttäuschen, war für sie nämlich vollkommen ausgeschlossen.
Und mit dem Gedanken klappte sie schließlich den Laptop zu und legte sich doch schlafen. Sie würde morgen weiter über die ganze Sache nachdenken.
Makoto: Dai-kun...
Daisuke: *lächelt* Ich bin wieder da...
Leicht betrübt stand Daisuke da, und blickte auf Makoto hinab. Sie hatte ihn diesmal schon beim Hereinkommen bemerkt. Das war selten der Fall. Aber Daisuke kam auch nur selten in der Nacht zu ihr. Dabei wusste er, dass sie gerade nachts am ehesten aus ihrer Trance erwachen konnte. Nachts, wenn Kodan schlief und seine Macht über sie nicht mehr so allgegenwärtig und groß war. Im Grunde genommen waren die Nächte Daisukes einzige Chance, wirklich mit Makoto sprechen zu können und doch kam er nahezu nie um diese Uhrzeit hierher. Es war zu auffällig, wenn er regelmäßig am nächsten Morgen unausgeschlafen war und er wollte nicht, dass Kodan ihn noch schärfer überwachen würde. Dann hätte er gar nicht mehr zu dem Mädchen gekonnt.
Makoto: Du siehst traurig aus...
Daisuke: Ach, tue ich das? *lacht leise* Vielleicht bin ich das sogar...
Makoto: Wieso?
Daisuke: *seufzt leise* Es sind viele Dinge, die sich stapeln
Makoto: Wegen dem Plan?
Daisuke: Du hast zugehört...
Makoto: *nickt*
Daisuke: Der Plan sah Tote vor, aber es ist niemand gestorben
Makoto: *legt den Kopf etwas schief* Keine Toten... sind schlecht?
Daisuke: *abwägt* *sich dann einfach neben ihren Stuhl setzt und sich an die Lehne lehnt* Nein... Keine Toten sind gut... Finde ich. Aber die Anderen hier sehen das nicht so
Makoto: Also... bist du falsch?
Daisuke: Ja...
Makoto: Schlecht?
Daisuke: Ja, das ist schlecht... Wenn Kodan an mir zweifelt, bin ich tot
Makoto: *den Kopf leicht schüttelt* Dai-kun... darf nicht sterben...
Daisuke: Ich habe auch nicht vor, zu sterben. Ich werd dich nicht allein lassen.
Makoto: Dai-kun... muss immer bei Makoto bleiben...
Daisuke: Natürlich...
Makoto: Flasche...?
Daisuke: Hm? Oh, du meinst, was in der Flasche ist? *hebt die Flasche hoch, die er die ganze Zeit dabei hatte* Jack Daniel's. Alkohol. So etwas darfst du nicht trinken...
Makoto: Für dich?
Daisuke: Ja... Ich dachte, ich bleibe heute länger hier...
Makoto: Das freut Makoto...
Daisuke: *sieht zu ihr hoch* *lächelt matt* Ich würde alles für dich tun...
Makoto: Das weiß Makoto... Darum... hat Makoto Dai-kun auch... sehr sehr lieb...
Daisuke: *schluckt* *zittert leicht* Ich hab dich auch sehr sehr lieb... *leise sagt*
Makoto: Dai-kun?
Daisuke: *öffnet die Flasche* *kippt sich einen großen Schluck runter* Würdest du mich auch dann noch lieb haben, wenn ich böse wäre?
Makoto: Dai-kun... ist nicht böse... Aber... Makoto würde Dai-kun immer lieb haben... Egal, was Dai-kun tun würde
Daisuke: Danke... Das macht das alles hier einfacher...
Makoto: *zu ihm schaut* *zögerlich ihre Hand hebt* *sie in Daisukes Haar legt* *dieses sanft streichelt* Makoto ist immer für Dai-kun da...
Daisuke: *lehnt sich der Hand entgegen* *schließt dabei die Augen* Ich weiß... Und das ist der einzige Grund, warum ich noch durchhalte... Irgendwann... wird alles wieder gut werden...