Haruto stand in seinem Zimmer. Oder besser gesagt, er lief darin hin und her, suchte hier und da Dinge zusammen und stopfte sie in diverse Koffer und Taschen. Er blickte ab und an auf eine Liste, die seine Mutter ihm gestern geschrieben hatte. Darauf stand alles, was er zu Beginn brauchte, damit er in Tokyo zurecht kam. Es war selbst für ihn ziemlich überraschend gekommen, dass sein Coach ihm verkündet hatte, dass er seine Prüfungen mit den notwendigen Noten bestanden hatte. Aber noch wesentlich überraschender war es gewesen, dass das HSC seine Fähigkeiten noch in dem ein oder anderen Vorkurs auf die Probe stellen wollte. Also musste Haruto jetzt schon alles packen, um morgen nach Tokyo abreisen zu können. Eine Abreise, die noch kurzfristiger war, als er eigentlich gedacht hatte. Er hatte zwar schon eine Nachricht an alle Wächter geschickt, wo er ihnen die Neuigkeiten verkündet hatte, doch mehr war in seinem eng gewordenen Zeitplan nicht mehr drin. Dabei hätte er nur zu gerne sich noch einmal von allen verabschiedet, wo er doch in der letzten Zeit nahezu nichts mehr mit ihnen zu tun hatte.
Haruto seufzte. Es war irgendwie schon unheimlich, wie sehr man auf einmal allein gelassen und von allen vergessen wurde, wenn man erst einmal keinen Ring mehr trug. Zuvor wurde Haruto noch in alles mitgerissen, über alles informiert. Doch spätestens seit er Aden den Ring gegeben hatte, waren die Nachrichten auf ein absolutes Minimum hinab gegangen und er wurde auch über größere Dinge nur noch im Nachhinein benachrichtigt. Aber das war wohl der Weg, den er sich selbst ausgesucht hatte, dachte er insgeheim. Und da konnte er wohl auch nicht groß etwas dran ändern.
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als es an seiner Tür klopfte. Nur wenig später war Ayumi eingetreten, sah ihn etwas schüchtern an.
Ayumi: Uhm, Haruto-kun... Ich hab gehört, du fährst morgen nach Tokyo?
Haruto: Oh, ja... Das hat sich alles kurzfristig entschieden. Ziemlich spontan...
Ayumi: Du... weißt nicht, wann du wieder kommst, oder?
Haruto: Da sind so ein paar Vorkurse. Ich weiß nicht, wie lang die dauern. Keine Ahnung, ob ich vor dem Semesterstart noch einmal her kommen kann
Ayumi: Oh... verstehe... *den Blick senkt*
Haruto: *fährt sich mit der Hand durchs Haar* Aber hey, Ayumi-chan, das ist kein Grund traurig zu sein. In den Ferien komm ich definitiv wieder her. Und du hast doch Verwandte in Tokyo. Du könntest sie einmal besuchen fahren und dann zeig ich dir Tokyo. Klingt das nicht gut?
Ayumi: *lächelt matt* Ja, tut es...
Haruto: Warum klingst du dann nicht danach?
Ayumi: Weil... Haruto-kun, du... wirst da viele neue Leute treffen, oder?
Haruto: Naja, das hat ein College so an sich
Ayumi: Und ich bin nicht da... *wird knallrot* Ich... ich glaube, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn Haruto-kun auf einmal eine F-Freundin findet... *zu Boden sieht*
Haruto: *sieht sie einen Moment lang sprachlos an* *lächelt dann* Ayumi-chan... *kommt auf sie zu und legt ihr die Hände auf die Schultern*
Ayumi: *schüchtern aufschaut*
Haruto: Ich denke nicht, dass ich da eine Freundin finden werde...
Ayumi: N-Nicht?
Haruto: *leicht den Kopf schüttelt* Nein, mit Sicherheit nicht
Ayumi: A-aber wenn ein Mädchen kommt und...
Haruto: Dann sag ich ihr, dass ich vergeben bin
Ayumi: Eh?
Haruto: Ich sag jedem, der was von mir will, einfach, dass ich eine feste Freundin daheim in Niigata habe. Dann lassen die mich sicher in Ruhe
Ayumi: Haruto-kun...
Haruto: Ayumi-chan, ich werde niemanden in Tokyo finden. Ich werde zu dir zurück kommen. Aber dafür darfst du in deiner Abwesenheit auch niemanden finden, einverstanden?
Ayumi: *ihn aus geweiteten Augen ansieht* *dann aber strahlend lächelt* Sollte jemand auf mich zukommen, dann sag ich, dass ich einen Freund in Tokyo habe!
Haruto: Das will ich doch hoffen. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, dann als ein Paar, ja?
Ayumi: *nickt* Ja, Haruto-kun!
Haruto: Wundervoll...
Langsam beugte sich Haruto vor, küsste sie und für einen kurzen Moment waren all seine Sorgen, die er bis vorhin noch gehabt hatte, vergessen. Dieser Kuss ließ ihn für einen Augenblick lang frei sein und Haruto konnte sich nichts Schöneres vorstellen, was er gerade hätte tun können...
Shinji: Komm schon, es muss doch irgendetwas geben, das du dir wünschst!
Rei: Ich sagte doch schon, es gibt nichts.
Shinji: Es muss was geben!
Rei: Ich verstehe nicht, wieso du so einen Aufstand machst
Shinji grummelte leise. Er war nach langem wieder einmal im Kojima-Anwesen zu Besuch, saß mit Rei, Aden und Mizuki zusammen im Wohnzimmer. Sie hatten sich um einen Tisch versammelt und spielten gemeinsam Karten, während Shinji angeregt eine Diskussion mit Rei gestartet hatte.
Rei: Adens Geburtstag wurde auch nicht groß gefeiert. Weshalb sollte meiner dann gefeiert werden?
Shinji: Weil es dein Achtzehnter ist. Sowas sollte gefeiert werden!
Rei: Ich habe die letzten Jahre lang meinen Geburtstag nur gefeiert, indem Ryo mir morgens einen Kuchen hingestellt hat und das wars. Warum sollte sich daran was ändern?
Shinji: Ganz besonders deshalb sollte sich etwas ändern!
Rei: Hmpf
Shinji: Grrr, Aden-kun! Mizuki-chan! Sagt doch auch mal was dazu!
Aden: Uhm... Geburtstage sind lustig. Man sollte sie feiern.
Mizuki: Ich... ich würde mich auch freuen, wenn wir ihn feiern würden. Es... wäre einmal etwas Erfreuliches in diesem Haus
Shinji: DA! Totschlagargument. Dagegen kannst du nichts sagen, Rei! Danke, Mizuki-chan!
Mizuki: *verlegen auf ihre Karten schaut* Bitte...
Rei: *atmet genervt aus* Du wirst nicht aufgeben, oder?
Shinji: Nicht einmal ansatzweise.
Rei: Du bist viel zu stur...
Shinji: Hab von dir gelernt
Rei: *schenkt ihm einen finsteren Blick* Gut, dann meinetwegen feiern wir meinen Geburtstag morgen. Ein Kuchen reicht mir. Ich will und brauche keine Geschenke und wenn irgendjemand "Happy Birthday" singt, bekommt er meine Tonfas zu spüren. Verstanden?
Shinji: Yes, success! *jubelt* Mizuki-chan, backen wir den Kuchen zusammen?
Mizuki: Eh? Ehm... ja, gerne...
Rosetta: *dazu kommt* Und was macht ihr Kids hier so?
Aden: Geburtstage planen
Rosetta: Ha? Geburtstage? Wer denn?
Shinji: *auf Rei deutet* Rei wird morgen Achtzehn.
Rosetta: Oh? Und das wird gefeiert?
Rei: Offensichtlich ja. Es gibt Kuchen
Rosetta: *lacht leise* Ach, einmal nochmal jung sein... Schön, dass wir für morgen etwas anstehen haben, was nicht daraus besteht, uns den Kopf über Kodan zu zerbrechen
Rei: Habt ihr da eigentlich schon etwas mehr heraus gefunden?
Shinji: *drop* // Und er ist wieder im Serious Mode... //
Rosetta: Nein, nichts... Kein Lebenszeichen von ihm, kein Gar nichts. Lässt mich fast schon wundern, ob der Kerl überhaupt existiert, wenn er uns nicht gerade ans Bein pinkelt
Shinji: Berechtigte Frage. So selten, wie etwas von ihm kommt...
Rei: Aber wenn etwas kommt, ist es immer recht drastisch...
Rosetta: Das macht ihn vermutlich so gefährlich. Er ist in der Lage, so große Dinge zu planen, ohne dass es jemandem auffällt. Das ist ekelhaft!
Shinji: *seufzt* Dann hoffen wir einfach mal, dass sich Kodan noch etwas Zeit lässt, bevor er uns wieder in Bedrängnis führt...
Alle: HAPPY BIRTHDAY!!!
Rei stand da, umgeben von Glitzer und Konfetti. Mit einem lauten Geburtstagsgruß hatte man ihn in derKüche begrüßt, als er nach einem halben Tag endlich Zutritt bekommen hatte. Schon früh morgens war Shinji vorbei gekommen, hatte mit Mizuki und Rosetta die Küche für sich beansprucht, wo sie freudig ales für die Geburtstagsfeier vorbereitet hatten. Nun war es Nachmittag und Rei war es endlich erlaubt gewesen, aus seinem Zimmer zu kommen, ohne Gefahr zu laufen, in irgendeine Überraschung zu laufen. In der Küche versammelt hatten sich alle derzeitigen Mitglieder des Kojima-Haushaltes, wie auch Shinji und Chloe.
Rei: Ich habe das Gefühl, dass ihr alle hier ein wenig übertreibt mit der Feier... *trocken sagt*
Shinji: Üüüberhaupt nicht! Wir erleben immer so viel Mist, wir dürfen auch einmal feiern und gute Laune haben!
Rei: Aber muss dafür unbedingt mein Geburtstag missbraucht werden?
Ryo: *lächelt* Du solltest wenigstens einmal diesen Tag genießen, Rei.
Rei: *kurz Ryo finster ansieht*
Mizuki: *zu Rei kommt* Uhm, Rei-kun... Möchtest du den Kuchen anschneiden? *ihm ein Messer hinhält*
Rei: Gerne, Mizuki-chan *das Messer nimmt*
Langsam ging Rei zum Küchentisch, sah dort einen großen, runden Kuchen stehen. Er war glasiert und in Zuckerschrift stand "Alles Gute zum 18., Rei" drauf. In kleineren unsauberen Schriften standen noch andere Dinge drauf und als Rei genauer hinsah, erkannte er, dass beinahe alle auf dem Kuchen als Gruß signiert hatten. Kurz musste er lächeln. Dann setzte er aber auch schon das Messer an und zerteilte den Kuchen sauber in mehrere gleich große Stücke. Er servierte sie alle nach und nach an die Leute, ehe er sich selbst einen Teller nahm und schließlich ein Stück probierte.
Shinji: Und?
Rei: Lecker
Shinji: Yes! Mizuki, wir habens geschafft
Mizuki: *breit lächelt* Ja!
Damian: Oh man, der Kuchen ist wirklich herrlich geworden, ihr Zwei! Ich will zu meinem Geburtstag auch einen Kuchen von euch, ja?
Rosetta: *lacht* Vorrausgesetzt, wir sind dann noch hier. Wenn der ganze Ärger hier erst einmal vorbei ist, werden wir sicher wieder zurück nach Schottland gerufen
Shinji: Eh? Ihr bleibt nicht hier?
Chloe: Für gewöhnlich sind wir immer nur für die Dauer eines Auftrages vor Ort. Wenn der Auftrag beendet ist, sind wir auch erstmal wieder weg
Shinji: *sieht ihn missmutig an* Oh man! Ich hatte gehofft, wir würden euch noch länger da haben, als nur bis alles hier gelöst ist
Chloe: Sorry, Shinji, aber Pflichten gehen leider vor
Rei: Wirst du das Kazuo auch so sagen?
Chloe: *stockt* *den Blick senkt* Nein... Sollte ich mich bis dahin mit ihm besser verstehen, werde ich es ihm natürlich anders erklären
Aden: *sich dazu gesellt* Aber nicht alle haben Pflicht, zu gehen.
Shinji: Nicht?
Aden: Ich bin ein Ringträger. Ich werde fragen, dass ich hier bleibe, bis Haruto-kuns Rückkehr.
Shinji: Ah, das heißt, wir könnten dich sogar noch die nächsten 3 Jahre hier haben. Bis Haruto-senpai das College beendet hat
Rei: Vorrausgesetzt, wir selbst sind bis dahin noch in der Stadt. Die meisten von uns haben nächstes Jahr ihren Abschluss und werden selbst studieren. Wir werden schauen müssen, wie wir das mit den Ringen klären
Shinji: Stimmt...
Chloe: Hm, wenn Aden noch etwas länger hier bleibt, könnt ich die Chance haben, auf die Weise auch einen längeren Aufenthalt hier zu begründen...
Shinji: Ich drück dir die Daumen, Chloe!
Chloe: Danke *lächelt*
Rei: *schaut zu Aden* Dir gefällt es hier, oder?
Aden: Sehr! Ich mag es hier sehr. Das Land ist toll und die Leute hier auch. Ich möchte wirklich bleiben.
Rei: Es wäre sicher nicht verkehrt.
Aden: Danke. Ich gebe mir Mühe.
Rei: Das merkt man.
Ryo: *von etwas abseits zu ruft* Rei, kommst du mal eben?
Rei sah kurz zu Ryo, welcher an der Tür stand. Er entschuldigte sich kurz von den Jungs, dann folgte er Ryo, welcher ihn stumm zum Garten brachte. Ryo ging noch ein Stück weiter, ehe er doch auf dem kleinen Pfad stehen blieb, zu Rei sah. Dieser kam direkt neben Ryo zum Halt. Eine warme Brise ließ sein Haar sanft in alle Richtungen wehen.
Rei: Was gibt es?
Ryo: Gefällt dir die Feier?
Rei: Alle tummeln sich an einem Ort und sind laut.
Ryo: *lächelt leicht* Ich persönlich freue mich gerade sehr. Es ist die erste Geburtstagsfeier, die du je mit Freunden hast. Ich dachte schon, ein solcher Tag würde nie kommen
Rei: *den Blick leicht senkt* Ich hätte es nicht nötig gehabt... Wir haben andere Sorgen, um die wir uns kümmern sollten
Ryo: Aber da stimme ich Shinji-kun zu. Gerade weil wir so viel Ärger um den Hals haben, sollten wir eine solche Gelegenheit nicht vergehen lassen. Wir wissen nie, wann es das letzte Mal sein wird
Rei: *blickt finster drein*
Ryo: *mustert ihn* Es sind jetzt 13 Jahre vergangen. Findest du nicht, dass es an der Zeit ist, loszulassen und endlich aufzuhören, aus diesem Tag einen Tag der Trauer zu machen?
Rei: Was lässt dich glauben, dass ich trauere?
Ryo: Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, Rei. Was meinst du, warum wir genau hier stehen?
Rei: *sich umblickt* *schluckt* Hier haben wir gespielt, kurz bevor wir... Mutter gefunden haben...
Ryo: Das hier ist der Ort, an dem du das letzte Mal an deinem Geburtstag gelacht hast. Aber seit Mutter gestorben ist, hast du nie wieder Anstalten gemacht, deinen Geburtstag feiern zu wollen. Du hast nie an diesem Tag gelacht und du hast auch nie wieder nach Kuchen gefragt.
Rei: *ihn ansieht* Die Geburtstagskuchen sind nicht einfach nur eine Floskel gewesen...
Ryo: Ich muss zugeben, ich weiß selbst nicht, wie man jemanden nach einem Verlust am besten aufmuntert. Der Kuchen war es immer, über den du dich am meisten gefreut hast. Wie wenn nicht so hätte ich dir eine Freude machen können?
Rei: *ihn einen Moment lang sprachlos anschaut* *dann den Blick senkt*
Ryo: Dreizehn Jahre, Rei. Du hast lang genug getrauert. Ich habe nie etwas gesagt, weil du allein warst, selbst wenn du eine Wahl gehabt hättest, aber jetzt ist es anders. *macht eine ausladende Bewegung zum Haus* Du hast so viele Freunde, so viele Leute, die mit dir feiern. Und noch dazu ist es dein 18. Geburtstag. Wenn die Dinge nur ein wenig anders gekommen wären, dann hättest du heute deine Flammen erweckt. Im Vergleich zu früher ist so viel anders. Warum willst du dann noch am alten festhalten?
Rei: *schluckt* Ryo-nii...
Ryo: Ja?
Rei: *mit Tränen in den Augen aufschaut* Danke...
Ryo: Dank mir nicht dafür. *reicht ihm eine kleine Schachtel* Dank mir lieber für dein Geschenk
Rei: G-Geschenk? *nimmt die Box entgegen* *sieht die Schrift auf der Adresskarte* Das...
Ryo: Mutter hatte in ihrem Nachlass Geschenke für uns Beide hinterlassen, wenn wir achtzehn werden. Nun, hier ist deines.
Rei: *schluckt* Mutter...
Mit zittrigen Händen öffnete Rei die Schachtel. Darin fand er zu allererst einen kleinen sauber gefalteten Brief. Obwohl er Jahre in der Schachtel gelegen hatte, war er etwas gelblich angelaufen. Ein Zeichen dafür, dass er lange darauf gewartet hatte, endlich gelesen zu werden. Unter dem Brief befand sich ein weiches Stoffbett und auf diesem lag ein hübscher Goldreif. Rei musterte ihn kurz, sah darauf das Emblem eines Falken. Er sah auf den Reif hinab, und blickte dann hinauf zu Ryo. Rei war versucht, zu fragen, was Ryo zu seinem Geburtstag bekommen hatte, doch er unterließ es vorerst. Viel lieber steckte er sich den Reif an den Arm, stellte dabei fest, dass er wunderbar passte und recht dezent wirkte. Dann steckte er die Schachtel weg und faltete den Brief auf. Sauber und ordentlich war die Schrift darauf. Rei erkannte sie direkt als die seiner Mutter. Er hatte ihre Art zu schreiben immer gemocht. Mit einer Mischung aus Furcht, Freude und Vorsicht bewegten sich seine Augen über das Papier...
"Mein lieber Rei,
ich schreibe diese Zeilen gerade am Vorabend deines fünften Geburtstages. Vielleicht ist es schon zu früh, einen solchen Brief zu verfassen, wenn es noch so viele Jahre hin ist, bis du ihn lesen wirst, aber die Zukunft ist schon immer etwas voller Ungewissheit gewesen. Ich merke selbst, wie es mir immer schlechter geht. Lieber schreibe ich dir nun, bevor ich dir gar nicht mehr schreiben kann... Achtzehn Jahre bist du nun. Mit Sicherheit ist aus dir ein stattlicher junger Mann geworden. Vor meinem inneren Auge seh ich einen so wunderbaren attraktiven Jungen mit einem noch viel wundervolleren Charakter. Ich hoffe, du hast deinen Platz im Leben gefunden oder du weißt zumindest, wo er du im Leben hin möchtest? Hast du eine Freundin? Oder gar einen Freund? Ich würde nur zu gern die Person kennen lernen, die dein Herz gewonnen hat. Ich bete dafür, dass du mit dieser Person dein Glück gefunden hast und lange mit ihr dein Leben verbringen kannst.
Aber sicher interessiert dich dieses Gerede einer alten Frau nicht sonderlich. Vielleicht sollte ich also das Thema wechseln und ein bisschen über dein Geburtstagsgeschenk erzählen. Dieser Reif ist schon seit vielen Jahren im Besitz der Familie. Er war einst ein Verlobungsgeschenk an Kojima Rei, der ersten Person in unserer Familie, die einen Ring getragen hat. Ich habe dich einst nach ihr benannt, so wie ich auch deinen Bruder nach einem unserer Vorfahren aus jener Zeit benannt habe. Sicher fragst du dich, was ich ihm vor fünf Jahren geschenkt habe. Es war ein ähnliches Schmuckstück, dass Kojima Ryo einst als Verlobungsgeschenk erhalten hatte. Beide Schmuckstücke tragen eine lange Geschichte mit sich und ich vermache sie euch, damit ihr ihre Geschichte weiter schreibt. Mögen sie euch als Glücksbringer dienen und zu jederzet beschützen. Mögen die Geister unserer Vorfahren über euch wachen und euch den Weg weisen. Und sollen sie euch stets daran erinnern, dass ihr einander habt und aufeinander vertrauen könnt.
In diesem Sinne wünsche ich dir noch alles Gute im Leben. Ich hoffe, du hast einen schönen Tag. Happy Birthday, Rei.
Mit aller Liebe, deine Mutter."
Ryo: Rei? Ist alles in Ordnung?
Doch Rei antwortete nicht. Er stand einfach nur da, den Kopf gesenkt und zitternd, während ihm die Tränen über die Wangen liefen. Stumm weinte er. So lange hatte er um seine Mutter getrauert, während sie sich schon so früh Gedanken darum gemacht hat, ihm einen so besonderen Geburtstag zu bescheren. Und so sehr sein Herz auch erfüllt war von Trauer über ihren Verlust, zum ersten Mal seit langem fühlte sich Rei an seinem Geburtstag wirklich, wirklich glücklich.