Eine nur allzu bekannte Person stand da, wartete vor Kazuos Tür. Als sie ihn kommen sah, lief sie freudig zu ihm. Die Haare waren blond, die Augen blau, aber sonst hatte sich nichts an ihm verändert.
Chloe: Kazuo, es freut mich, dich wieder zu sehen.
Kazuo: K-Kuroe? Bist du das wirklich?
Chloe: *grinst* Jep, ich bin es wirklich. Stell dir vor, Kazuo: Ich bin zurück!
Kazuo: Zurück? Wie... wie meinst du das?
Chloe: Ich mein es genauso, wie ich es sage. Ich bin wieder zurück und ich werde von jetzt an auch erst mal eine Weile in Niigata bleiben.
Kazuo: Eine Weile?
Chloe: *zuckt mit den Schultern* Solang, wie die Chefin sagt, aber es sieht ganz so aus, als wären das erstmal wieder einige Wochen
Kazuo: Einige Wochen? Kuroe, da-
Chloe: Bitte! Nenn mich Chloe. Yoshioka Kuroe gibt es nicht mehr. Nur noch Chloe Spencer. *lächelt schief*
Kazuo: *verzieht leicht das Gesicht* Chloe... Also, nur ein paar Wochen, huh? Also nichts weiter als noch ein Job
Chloe: *wird leicht verlegen* So sieht's zumindest bis jetzt aus... Aber... der springende Punkt ist doch, dass ich wieder da bin. Genau, wie ich es versprochen hatte. Und du bist auch der Erste in Niigata, der davon hört!
Kazuo: *muss unweigerlich grinsen* Das freut mich. *umarmt Chloe* Willkommen zurück.
Chloe: *lächelt fröhlich* Danke, Kazuo...
Kazuo: *löst die Umarmung wieder* Willst du mit reinkommen?
Chloe: Uhm, klar~
Kazuo schloss die Tür auf und führte Chloe in sein Zimmer. Einen Moment verschwand er wieder, kam dann aber mit ein paar Keksen und etwas zu trinken wieder. Chloe hatte sich derweil auf das Bett gesetzt. Kazuo gesellte sich zu ihm. Neugierig betrachtete er Chloe.
Kazuo: Ist das blond deine natürliche Haarfarbe?
Chloe: Eh? *packt sich an die Haare* Ja, ist es^^ Ist schon ne Weile her, seit ich sie das letzte Mal so hatte. Muss mich selbst erst noch dran gewöhnen.
Kazuo: Also... hab ich jetzt wirklich Chloe vor mir sitzen?
Chloe: *nickt* Ja, hast du. Du hast mein wahres Ich vor dir sitzen, Kazuo...
Kazuo: *schluckt* Verstehe... *nimmt sich verlegen einen Keks* Und wie kommt's, dass du wieder da bist?
Chloe: *seufzt* Wie gesagt, "berufliche Gründe" kann man es nennen. Wir haben Hinweise darauf gefunden, dass "Nightmare" wieder nach Niigata zurückkehrt. Also kommt die "Red Streak" auch her. Zumindest mein Team.
Kazuo: Also ist Damian auch wieder hier? Und deine Chefin?
Chloe: *nickt* Damian ist auch schon da. Er hält zurzeit Ausschau nach einem passenden Ort, wo wir unterkommen können. Zaira, unsere Chefin wird später zu uns stoßen. Sie ist zurzeit im Hauptquartier und erstattet dort Bericht.
Kazuo: Uff, okay~
Chloe: Das ist aber noch nicht alles, Kazuo
Kazuo: Eh? Da ist noch mehr? oô"
Chloe: Naja... Der Stand der Dinge ist doch der, dass es zurzeit nur sechs Ringträger aber sieben Ringe gibt, nicht wahr? Um diese Ungleichheit wieder auszugleichen, schickt die "Red Streak" jemanden her, der als neuer Träger des Himmelsringes fungieren soll.
Kazuo: E-EEEEH? O__O
Chloe: *schluckt* Du hast schon richtig gehört. Sie wollen, dass ihr den Himmelsring einem fähigen Träger übergibt. Darum bin ich auch hier. Kazuo, bitte schick den anderen Wächtern eine Nachricht, dass sich alle versammeln. Ich möchte alles Weitere besprechen, wenn alle beisammen sind.
Kazuo: Das... ist doch ein Witz!
Chloe: Leider nein. Das ist vollkommener Ernst. Und leider auch nötig. "Nightmare" ist immer noch eine große Bedrohung, Kazuo, und das heißt, dass nach wie vor äußerste Vorsicht gilt.
Kazuo: *schluckt* Okay... *holt sein Handy raus* Das mit dem neuen Wächter gefällt mir überhaupt nicht. Und ich wette, Kojima wird da einiges noch zu zu sagen haben.
Chloe: *zuckt mit den Schultern* Ich bin nur der Überbringer der Nachricht
Kazuo: Hmpf *schickt Shinji eine Nachricht* Ein neuer Wächter... Und du bist es nicht?
Chloe: Ich bin nicht wirklich für den Himmelsring geschaffen. Außerdem braucht mich die "Red Streak" eher. Aber ich kenne den Neuen und ich kann sagen, dass er fähig und zuverlässig ist.
Kazuo: Na, das werden wir ja noch sehen *liest Shinjis Antwort* Heute Abend um 20 Uhr ist ein Treffen bei Shinji daheim. Wenn du solange bleibst, bring ich dich nachher dahin.
Chloe: *nickt* Um 20 Uhr... *steht auf* Ich denke, ich geh lieber schon jetzt.
Kazuo: Eh? Wieso das?
Chloe: *lächelt leicht* Ich denke, mein Wiederauftauchen hat dich sichtlich überrascht und aufgewühlt. Du solltest erst einmal wieder etwas zur Ruhe kommen. Meinetwegen können wir nach dem Treffen etwas miteinander quatschen. *lächelt* Bis nachher, Kazuo.
Und damit ließ Chloe Kazuo allein. Kazuo starrte noch einige Momente lang auf die Tür, dann ließ er sich rücklings auf sein Bett fallen, nahm sich noch einen Keks.
Noch am selben Abend fanden sich die Wächter bei Shinji ein. Lediglich Masashi fehlte, aber das war kein Wunder. Seit den Ringkämpfen hatte er nichts mehr mit den Anderen zu tun gehabt, saß einfach nur die meiste Zeit im Krankenhaus bei seiner Schwester, die nach wie vor im Koma lag.
Nun saß die ganze Gruppe unten im Restaurant. Es war bald Feierabend, weshalb kaum noch jemand da war. So konnten sie ungestört reden.
Shinji: Yoshioka-kun, lang nicht gesehen!
Chloe: Bitte, mein richtiger Name ist Chloe Spencer. Nennt mich dabei.
Rei: Okay, also... Chloe-kun, was soll dieses Treffen?
Chloe: *schaut in die Runde* Es gibt Anzeichen darauf, dass "Nightmare" wieder zurückkehrt.
Haruto: "Nightmare"? Heißt das, Toshiro kommt auch?
Chloe: *zuckt mit den Schultern* Wir wissen noch nicht sehr viel, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass "Nightmare" wieder nach Niigata kommt. Deshalb kommen Mitglieder der "Red Streak" auch hierher.
Haruto: "Red Streak"?
Shinji: Das ist doch die Organisation von Damian und dir, oder?
Chloe: *nickt* Ja. Mein Team, das auf die Ringträger spezialisiert ist, ist auch mit "Nightmare" beauftragt worden. Deshalb bin ich auch wieder zurück. Wir sollen euch gegen "Nightmare" unterstützen.
Rei: Und wie soll diese Hilfe aussehen? *misstrauisch fragt*
Shinji: Eh? Rei?
Rei: Na, beim letzten Mal sah die Hilfe so aus, dass Damian uns bis kurz vor knapp verprügelt hat und Yoshi- Chloe-kun bis fast zum Schluss nichts gemacht hat, als uns auszuspionieren.
Shinji: Rei!
Rei: Ist doch so!
Chloe: Kojima-kun hat Recht. *ruhig sagt* Wir haben nicht gerade unsere beste Seite gezeigt, aber das wird künftig anders sein. Die "Red Streak" wird künftig aktiver ins Geschehen eingreifen.
Haruto: Was meinst du damit?
Chloe: Nun, es scheint, als wäre "Nightmare" entweder an etwas richtig Großem dran oder sie sind nicht das einzige Problem. Jedenfalls braucht ihr tatkräftige Unterstützung. Deshalb werdet ihr auch mehr Kampfkraft zur Seite gestellt bekommen.
Rei: Kampfkraft? *Augenbraue hebt*
Kazuo: Chloe meinte vorhin, es würde ein neuer Wächter für den Himmelsring kommen.
Haruto: Was? Aber der Ring kann doch nicht einfach einen neuen Träger bekommen!
Rei: Deprimierenderweise, Toyama, ist das sehr wohl möglich. Die Ringe bleiben für gewöhnlich innerhalb der Familien, aber wenn die Familie keinen fähigen Ringträger hat, kann der Ring auch einem Außenstehenden gegeben werden. Hauptsache, das Potential für Wetterflammen ist da.
Haruto: Im Ernst?
Kazuo: *nickt* Ja, Toyama-senpai, im Ernst.
Haruto: Oh man... *seufzt*
Shinji: Also... will die "Red Streak" uns einen neuen Wächter schicken?
Chloe: *nickt* Genauso ist es. Eigentlich müsste er auch jeden Moment auftauchen.
Kaum hatte Chloe diese Worte zu Ende gesprochen, öffnete sich die Tür zum Restaurant und ein nur allzu bekannter Mann betrat den Raum. Damian hatte ein munteres Grinsen auf den Lippen, als er die Jugendlichen erblickte und geradewegs zu ihnen kam. Hinter ihm kam dabei ein Junge ins Blickfeld, der im selben Alter wie die Ringträger zu sein schien. Sein Haar war schulterlang und pechschwarz, aber im Pony leuchtete eine feuerrote Strähne.
Damian: Hey, lang nicht gesehen~ ^^
Shinji: Damian...
Damian: Hat Chloe euch bereits alles erzählt?
Chloe: Ich denke schon.
Damian: Wunderbar. Dann möchte ich euch hier jemanden vorstellen. Aden?
Aden: *nach vorne tritt* *sich verneigt* Mein Name ist Aden Smith. Ich soll der neue Besitzer von Himmelsring sein. Auf... ähm... auf Zusammenarbeit! ^_^
Munter lächelte Aden in die Runde. Die Runde schaute mit zweifelnden Blicken zurück. Der erste, der etwas sagte, war Haruto.
Haruto: Ist dieses schlechte Japanisch Absicht?
Aden: Eh? *verdutzt blinzelt*
Chloe: Aden ist aus England. Er lernt japanisch erst seit kurzem, deshalb verzeiht ihm die schlechte Sprache^^"
Rei: *hebt die Augenbraue* Kaum Japanisch, aber er soll den Himmelsring bekommen?
Damian: Kojima, ich weiß, das klingt nicht gerade überzeugend, aber Aden lernt schnell und ist darüber hinaus ein fähiger Kämpfer. Gebt ihm noch ein wenig Zeit, um sich mit Sprache und Kultur zurechtzufinden und er wird ein passender Ersatz für Nakatsukasa sein.
Haruto: Ein Ersatz? *aufbraust* Wir können doch nicht einfach von einem Ersatz für Toshiro sprechen! Klar, er hat richtig Scheiße gebaut, aber für mich ist er ein alter Freund. Den ersetzt man nicht einfach!
Damian: *hebt beschwichtigend die Hände* Verzeih, Toyama, so meinte ich das doch nicht...
Haruto: Hmpf!
Rei: Aber egal, wie du es meintest, glaubst du wirklich, ihr könnt einfach wieder aufkreuzen, uns eine völlig neue Person vorstellen und dann erwarten, dass wir sofort freudig den Himmelsring rausrücken?
Chloe: Unsere Chefin erwartet das zumindest...
Rei: Ich fürchte, dann wird sie lange warten, denn den Ring behalte ich erst einmal. *schaut zu Aden* Wenn du den Ring haben willst, dann musst du dich erstmal beweisen. Verstanden?
Aden: *nickt* Ja, verstanden. Ich... ähm... I'll do my best!!
Mit diesen Worten verabschiedeten sich die Mitglieder der "Red Streak" auch wieder und machten sich auf den Weg. Haruto blieb zwar auch noch ein paar Momente, doch dann ging auch er heim. Am Ende saßen nur noch Rei, Shinji und Kazuo da. Schweigen herrschte, denn allesamt ließen sie sich erst einmal das eben Geschehene durch den Kopf gehen.
Rei: Weißt du, Kanbara, als ich sagte, Yoshioka würde auftauchen, da hätte ich nicht gedacht, dass das noch heute sein würde.
Kazuo: Ich hätte da auch nicht mit gerechnet...
Shinji: Uhm... hat er mit dir nur über dasselbe gesprochen wie hier?
Kazuo: *seufzt* Ja... nur darüber...
Rei: Na, vermutlich auch ganz gut so. Immerhin hast du heute Nachmittag gesagt, du wüsstest keine konkrete Antwort.
Kazuo: Ja... Aber wenn er jetzt erstmal eine Weile wieder in der Stadt ist, dann sollte ich langsam zu 'ner Antwort kommen...
Shinji: Ich bin mir sicher, dass alles schon irgendwie wird, Kazuo^^
Kazuo: Danke, Shinji...
Rei: *sich zurücklehnt* Aber es ändert nichts daran, dass diese "Red Streak" einfach den Himmelsring verlangt...
Shinji: Ich fand das etwas dreist. Das klang fast so, als wären wir Wächter egal für die "Red Streak". Hauptsache, die Ringe sind da.
Kazuo: Ja... das stimmt... Jeder, der Wetterflammen nutzen kann, kann einen Ring halten. Es ist, als seien wir einfach austauschbar.
Rei: Zumindest für diese Chefin *schnaubt* Der würde ich nur zu gern mal das ein oder andere sagen!
Shinji: Ich glaube nicht, dass uns das groß was bringen würde, Rei...
Rei: Trotzdem!
Kazuo: *seufzt* Und was wirst du jetzt tun, Kojima?
Rei: Eh?
Kazuo: *grinst* Na, du bist doch unser Anführer.
Rei: Den ihr euch ausgesucht habt *grummelt* Ich mach das, was ich gesagt habe. Ich behalte den Himmelsring, bis alle von uns überzeugt sind, dass dieser Aden ein guter Wächter ist.
Shinji: Ach herrje, das kann bei dir ja noch lange dauern.
Rei: Was soll das denn heißen?
Shinji: Och, nichts~
Shinji und Kazuo lachten, während Rei das Gesicht verzog, dann aber in das Lachen mit einstimmte. Als sie sich wieder beruhigt hatten, machte sich auch Kazuo auf den Heimweg. Unterwegs zündete er sich eine Zigarette an und dachte nach. Nicht über "Nightmare" oder die "Red Streak", nein, er dachte nach über Chloe und sich. Chloe war wieder zurück und es war nach wie vor Fakt, dass zwischen ihnen Beiden immer noch Chloes Liebeserklärung stand, die Kazuo nach wie vor nicht beantwortet hatte. Aber beim besten Willen, er war so verwirrt. Er wusste einfach nicht, was er von alldem halten sollte. Wie sehr konnte er Chloe denn wirklich noch trauen?
An anderer Stelle war ein leises, monotones Piepen zu hören. Die Maschinen standen da und machten ihren Job: Sie hielten ein junges Mädchen am Leben. Fukano Mizuki lag immer noch im Koma, hatte sich seit jenem verhängnisvollen Tag kein einziges Mal gerührt. Sie lag da, in Bandagen und Schläuche gehüllt und schlief. Ein Junge, etwas älter, aber doch ihr ähnlich sehend, saß auf einem Stuhl direkt neben dem Bett. Doch nun erhob er sich langsam.
Masashi: Ich fürchte, ich hab ziemlich lange gewartet, meine kleine Mizuki. Ich war zwar nicht ganz untätig, aber ich denke, es wird Zeit, dass ich nun wirklich zur Tat schreite. Ich kann nicht mehr länger warten. Verzeih mir, Mizuki, aber... ich kann von meinen Rachgelüsten einfach nicht loslassen. Ich werde bald wieder vorbei kommen...
Derweil hatte sich über Niigata die Nacht gelegt. Der Himmel hatte sich dunkel gefärbt und auf den Straßen wurde es ruhiger. In der Wohnung der Familie Hino war auch mittlerweile die Ruhe eingekehrt. Shinji und Rei hatten sich bereits zu Bett begeben. Shinji war auch schon längst eingeschlafen. Rei hatte noch ein wenig wach gelegen, war aber dann auch abgedriftet.
Als er die Augen das nächste Mal aufschlug, stand er vor einem gewaltigen Schloss. Es war aus hellblauem Stein gebaut und einige Rundtürme mit spitzen Dächern ragten hoch hinaus. Rei blickte sich um. Weit und Breit war nur Gras zu sehen. Er sah aber auch, dass um das gesamte Schloss ein breiter Wassergraben lief. Selbst stand er auf einer breiten Holzbrücke, die geradewegs zum riesigen Eingangstor führte. Rei stellte fest, dass die Tür ein Stück weit offen stand. Er zuckte die Schultern und schritt hindurch.
Auch im Inneren war alles himmelblau gehalten. Es war hell und prachtvoll und die Kerzenleuchter an den Wänden schienen in Silber zu glitzern. Rei stand der Mund offen. Aber egal, wo er auch entlang ging, nirgends war jemand zu sehen und nichts war zu hören außer seinen eigenen Schritten, die an den Wänden widerhallten. Umso mehr stockte er, als er mit einem Mal ein Schluchzen vernahm. Aufmerksam lauschte er und als er glaubte, zu wissen, aus welcher Richtung das Schluchzen kam, nahm er die Verfolgung auf.
Nur kurze Zeit später stand er schließlich vor einem Raum, den Rei als ein Teezimmer benannt hätte. Und dort auf dem Sofa, das an einer Wand stand, saß ein Mädchen mit kurzen, braunen Haaren und wischte sich gerade die Tränen weg. Langsam kam Rei auf sie zu. Sie hörte die Schritte, zuckte zusammen und blickte auf. Ihre Augen weiteten sich.
Rei: Mizuki-san? Bist du das?
Mizuki: *langsam nickt* Ja...
Rei: *stockt* Okay... *kratzt sich am Hinterkopf* Was für ein merkwürdiger Traum...
Mizuki: N-Nein! Das ist kein Traum! Aber... du kannst auch hierher?