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auf Flame of the Abyss! Dies ist eine Shonen-Ai & Action-Staffel. Begleitet unsere Helden dabei, wie sie versuchen, die Welt vor dem Chaos zu bewahren und sich doch dabei immer weiter in ein Netz aus Lügen und Intrigen verstricken, ohne zu wissen, wer nun wirklich ihr Freund ist und wer ihr Feind...
Schaut euch doch in Ruhe um. Ich wünsche euch viel Spaß ^.^



Flame of the Abyss

Episode 04


Kodan


Shinji: Was soll das heißen, du bleibst sitzen?!
Rei: Es heißt genau das. Ich werd noch ein Jahr wiederholen. Ich pack die Abschlussprüfung nicht
Shinji: Aber aber aber... dein Ernst?
Rei: Ja. Wenn ich einen Abschluss mache, dann will ich einen guten und keinen, wo ich es mit Hängen und Würgen geschafft habe, also wiederhole ich lieber.
Shinji: Das... Ryo-san, sag doch auch einmal etwas dazu.

Ryo blickte von seiner Zeitung auf, schielte kurz zu den Jungs und seufzte leise.

Ryo: Wenn es Reis Entscheidung ist, akzeptiere ich das. Er wird schon wissen, was er macht.

Shinji grummelte leise, aber sagte nichts mehr dazu. Sie saßen alle zusammen in der Küche des Kojima-Anwesens beim Frühstück. Shinji hatte mal wieder hier übernachtet und war nun mit einer mehr beiläufigen Bemerkung von Rei darüber informiert worden, dass dieser auf die Teilnahme an den Abschlussprüfungen verzichtete.

Mizuki: *stellt eine Tasse Tee auf den Tisch* Bitte, Ryo-san...
Ryo: *Mizuki anlächelt* Vielen Dank, Mizuki-chan.
Mizuki: *lächelt schwach* Keine Ursache...
Shinji: Mizuki-chan, du solltest dich auch hinsetzen und etwas essen.
Mizuki: Ich kann gleich noch frühstücken. Aber... Shinji-kun, Rei-kun, ihr müsst gleich los. Ihr solltet euch mit dem Essen beeilen.
Shinji: *schaut auf die Uhr* Ach herrje, stimmt! *hastig seinen Teller leert*
Mizuki: *von der Küchenablage zwei Bento-Boxen nimmt* Hier, bitte, euer Mittagessen
Rei: *die Boxen entgegen nimmt* Danke
Ryo: Viel Spaß in der Schule... *durch seine Zeitung murmelt* *dabei seinen Tee trinkt*
Shinji: Bis später~

Und damit machten sich Rei und Shinji auf den Weg zur Schule. Mizuki schaute ihnen munter nach. Ryo schielte dabei kurz zu ihr.

Ryo: Du lächelst mittlerweile sehr oft *feststellt*
Mizuki: Eh? *leicht rot wird* Na ja, ich... bin einfach froh, hier zu sein...
Ryo: Es ist auch ganz angenehm, dass das Haus mittlerweile so lebhaft geworden ist. Aber dir ist bewusst, dass du nicht das Hausmädchen spielen musst, oder?
Mizuki: I-Ich will aber! Ich mein... *blickt schüchtern zu Boden* Ich bin schlecht im Kämpfen und meinen Ring hab ich auch nicht mehr... Irgendwie will ich mich dann nützlich machen, und wenn ich euch helfen kann, indem ich euch die Sorgen des Haushalts abnehme...
Ryo: Natürlich *lächelt* Ich werde gleich noch ins Krankenhaus gehen. Begleitest du mich? Dann können wir im Anschluss noch einkaufen.
Mizuki: J-ja, sehr gerne!

Gesagt, getan. Mizuki frühstückte noch in Ruhe und räumte danach die Küche auf, dann verließen Ryo und sie auch schon das Anwesen. Da sie einiges einzukaufen hatten, hatte Ryo darauf bestanden, dass sie das Auto nahmen. Also hatte Mizuki etwas unschlüssig auf dem Beifahrersitz gesessen, während Ryo zum Krankenhaus fuhr. In der Zeit schwiegen sie und das Schweigen führte sich auch noch fort, als sie bereits die Gänge des Krankenhauses entlang schritten und Toshiros Raum betraten. Mizuki blieb etwas unsicher an der Tür stehen. Ryo jedoch schritt geradewegs zum Bett, setzte sich vorsichtig auf den Rand. Sanft strich er mit einer Hand durch das schwarze Haar Toshiros. Dieser lag einfach nur regungslos da. Auf seinem Gesicht war eine Beatmungsmaske befestigt. Sein Arm war von unzähligen Schläuchen durchlöchert. Es war ein entsetzlicher Anblick, der Mizuki einfach nur unendlich Leid tat.

Ryo: Hallo, Toshiro... *leise wispert* Ich bin wieder da. Die letzten Tage waren etwas anstrengend. Wir suchen immer noch nach Kodan, aber wir haben ihn bis jetzt noch nicht ausfindig machen können. Er macht es einem wirklich nicht einfach, weißt du? *leicht lächelt* Aber wir kriegen ihn schon noch, das verspreche ich. Er wird nicht einfach so mit dem davon kommen, was er dir angetan hat...

Ryo beugte sich leicht vor und gab Toshiro einen sanften Stirnkuss. Mizuki beobachtete das Ganze stumm. Ihre Augen weiteten sich, als Ryo sich wieder zurücklehnte, somit wieder den Blick auf Toshiro frei gab. Nur dass nicht Toshiro dort lag, sondern ein junger Mann. Sein Haar war ebenfalls pechschwarz und wirr. Er hätte beinahe Toshiros großer Bruder sein können, nur dass das Gesicht mehr... westlich wirkte. Mizuki runzelte die Stirn. Schnell kniff sie die Augen zu und schüttelte den Kopf. Als sie die Lider wieder öffnete, lag da wieder Toshiro. Verwirrt blinzelte sie. Sie verstand nicht, was da gerade passiert war. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob sie Ryo davon erzählen sollte, doch sie ließ es. Sicher war es nur eine Sinnestäuschung gewesen. Nichts Besonderes.

Ryo: Ich werd jetzt wieder gehen, aber ich werd dich morgen wieder besuchen kommen. Werd schnell wieder gesund, ja? *noch einmal über die Wange streicht* Ich liebe dich...

Und damit stand Ryo wieder auf. Er nickte kurz Mizuki zu, dann verließen sie beide auch schon wieder das Zimmer und machten sich daran, die Einkäufe zu erledigen.

Ryo: *durch die Regale schlendert* *zu Mizuki schielt* Du bist ziemlich still...
Mizuki: *zusammen zuckt* Huh? Sti-Still? Bin ich das nicht immer?
Ryo: Durchaus, aber gerade kommt es mir wie eine andere Art von Stille vor...
Mizuki: *denkt an das Krankenhaus* Ich wünschte, ich hätte Nakatsukasa-kuns Schicksal verhindern können...
Ryo: Du musst dir keine Schuld daran geben. Ich habe ihn selbst allein losgeschickt. Es war mein Fehler, Kodan zu unterschätzen
Mizuki: Aber ich wusste, dass er Kanbara-kun manipulierte. Ich hätte Rei-kun dringlicher sagen müssen, was los war
Ryo: *tätschelt kurz Mizukis Kopf* Es gibt keinen Grund, dass du dir Vorwürfe machst, Mizuki-chan.
Mizuki: *schluckt* Ich bin dann erwacht, als Nakatsukasa-kun getroffen wurde... Es ist, als ob sein Leben gegen meines ausgetauscht worden ist...
Ryo: Vielleicht ist das ein Wink des Schicksals. Du solltest dir darum keinen Kopf machen. Es gibt andere Dinge, die dir wichtiger sein sollten.
Mizuki: Zum Beispiel?
Ryo: Was du nun mit deinem Leben anfangen möchtest?
Mizuki: Huh?
Ryo: Ich bin ehrlich mit dir. Wir wissen nicht, wer du wirklich bist oder woher du kommst, und es wäre nicht verwunderlich, wenn Kodan auch deine Spuren sehr gut verwischt hat. Wahrscheinlich werden wir nie heraus bekommen, wer du wirklich bist. Also ist es wohl für dich an der Zeit, zu überlegen, was du tun willst. Willst du weiter versuchen, das Leben zu führen, das Kodan dir erschaffen hat... Oder willst du ganz von vorn anfangen mit allem, inklusive deinem Namen?
Mizuki: Ganz von vorn...? Ist das, was ich gerade habe, denn nicht schon ein Neuanfang?
Ryo: *stutzt kurz* *lächelt dann aber* Du meinst dein Leben bei uns im Haus?
Mizuki: *nickt* Bei dir und Rei-kun... Ich... bin schwach und ängstlich, das weiß ich... *geht zu einem der Regale* Allein schaff ich sicher kein ordentliches Leben, aber... *nimmt ein paar Tüten Reis aus dem Regal* Wenn ich Teil von etwas bin, dann denke ich, kann ich es schaffen *legt den Reis in den Einkaufswagen* *blickt schüchtern zu Ryo* Ich würde gern ein Teil von eurem Zuhause sein. Dann würde ich mich um den Haushalt kümmern und euch und die Ringe moralisch unterstützen. Wenn ich das könnte, dann... dann wäre ich glücklich...
Ryo: *lacht leise* Wenn Rei nichts dagegen hat, dann kannst du meinetwegen dabei bleiben. *mustert Mizuki kurz* Eine kleine Schwester wäre sicher eine amüsante Vorstellung
Mizuki: *läuft rot an* Sch-Schwester? *stellt sich einen Moment vor, von Rei als Schwester betitelt zu werden* *wird noch eine Spur roter* So... So hatte ich das nicht unbedingt gemeint. Ich dachte an... an... Haus... mädchen... *stammelt*
Ryo: *lacht* Natürlich dachtest du daran. Aber falls du von dem Namen Fukano loskommen willst... *lächelt* Wenn das neue Schuljahr beginnt, solltest du aber dennoch zur Schule gehen. Am besten wechselst du zur Seijo. Bei den Anderen bist du gut aufgehoben
Mizuki: Schule? *schluckt*
Ryo: Natürlich. Ein guter Schulabschluss ist nie verkehrt. Bis dahin solltest du dir also überlegt haben, wie genau du nun für den Rest deines Lebens heißen möchtest, Mizuki-chan...
Mizuki: Okay... werd ich machen...

Und damit schritten sie wieder weiter die Gänge entlang, führten ihren Einkauf fort. Mizuki wurde dabei wieder stummer, ging ihren eigenen Gedanken nach. Ryo fing auch kein neues Gespräch mehr an, beobachtete aber ab und an Mizuki ein wenig, wie diese Gedankenverloren neben ihm her schritt.

Während die Beiden mit den Einkäufen beschäftigt waren, ging in der Seijo-High gerade eine Stunde zu Ende. Haruto atmete kurz durch, schnappte sich dann seine Tasche und sprang auf. Er hatte gerade eine Vertretungsstunde mit Damian gehabt und das war seine Chance, den vermeintlichen Lehrer abzufangen, bevor er diesen noch im ganzen Schulgebäude suchen musste. Schnell war zum Braunhaarigen aufgeholt, welcher ihn freundlich grüßte, dabei jedoch weiter den Flur entlang schritt.


Haruto: Sag mal, besteht eigentlich so was wie die Möglichkeit, den Ring zeitweise jemand anderem zu geben, um ihn später zurück zu verlangen?
Damian: Eigentlich nicht. Wenn man ihn abgibt, dann bedeutet das, man verzichtet für immer auf die Verantwortung.
Haruto: Wie dämlich...
Damian: Du wolltest zeitweise auf den Ring verzichten, um deinen Träumen folgen zu können, huh?
Haruto: Vor mir ist die ultimative Chance. Das Sportcollege in Tokio... Es wäre einfach perfekt. Aber solange Kodan nicht gestoppt ist, ist es zu riskant, einen der Ringträger von den Anderen zu trennen...
Damian: Das stimmt... Und für deinen Traum willst du den Ring nicht einfach aufgeben?
Haruto: Der Ring ist eine Verpflichtung, die mir mein ganzes Leben lang eingetrichtert wurde. Ich kann es nicht aufgeben, selbst wenn ich wollte. Verstehst du?
Damian: Sehr gut sogar...
Haruto: Warum kann sich Kodan nicht einfach aus dem Weg räumen lassen?
Damian: *lächelt kurz* Weißt du was, Haruto-kun? Nimm den Platz an dem College an. Den Ring gibst du jemandem, dem du vertraust. Und wenn Kodan erledigt ist, sorg ich dafür, dass du den Ring wieder bekommst.
Haruto: Ehrlich?
Damian: Ehrlich. Aber dafür hab ich etwas gut bei dir. Wenn ich also einmal nach dir verlange, sputest du, verstanden?
Haruto: Natürlich!
Damian: Na dann... Schon eine Ahnung, wem du den Ring geben wirst?
Haruto: Ich dachte an die Person, die nur für einen Ring hergekommen ist. Vorausgesetzt Kojima hat nichts dagegen und Aden ist damit einverstanden.
Damian: *nickt* Okay... Dann red in Ruhe mit ihnen. Hauptsache, ich erfahre dann, wer den Ring hat.
Haruto: Ja klar.

Das Okay von Damian war eingeholt. Für Haruto schien es wie eine Segensbotschaft. Jetzt mussten nur noch Aden und Rei zustimmen und er konnte ohne Bedenken seine Sachen für Tokio packen. Sein Blick fiel kurz auf seine Uhr. Bis zum Beginn der nächsten Stunde fand er Rei mit Sicherheit nicht mehr, also begab er sich in den Raum seines nächsten Unterrichts.
Am Ende von jenem war Mittagspause. Das war für Haruto die Chance und so führte ihn sein Weg direkt zum Schulsprecherbüro. Vor der Tür blieb er kurz stehen. Wie merkwürdig es doch eigentlich war, dass er in den sechs Jahren, die er Rei gekannt hatte, kaum Kontakt mit ihm gehabt hatte. Und hier in den drei Jahren Oberstufe hatte er auch nie einen Grund gehabt, einmal den Schulsprecher aufzusuchen. Und nun fand er sich gut zwei bis dreimal die Woche in diesem Büro wieder, um hier seine Pausen zu verbringen. Er musste zugeben, er würde die gemeinsamen Treffen mit den Anderen vermissen, wenn er wirklich nach Tokio ging, aber das war Tokio mit Sicherheit wert.


Haruto: *den Raum betritt* Rei, ich will mit dir reden...
Rei: Geht es um Tokio?
Haruto: Woher...
Rei: Ich wohn mit Damian unter einem Dach.
Haruto: Woher weiß der das eigentlich schon längst?
Rei: Dein Coach hat im Lehrerzimmer damit geprahlt, dass du der erste seiner Schüler bist, der ein Stipendium an der HSC kriegt.
Haruto: Hmpf, ok... Aber ja, darum geht's. Ich werde auf das Sportcollege in Tokio gehen.
Rei: Das ist verdammt riskant, solange Kodan noch da ist...
Haruto: Ja... Allein hab ich wohl kaum eine Chance. Wenn er mir da auflauert, dann kann ich den Ring vergessen
Rei: Und wir dürfen ihm nicht noch einen Ring zuspielen.
Haruto: Darum habe ich mit Damian über... einen Ersatzwächter gesprochen.
Rei: Einen Ersatzwächter?
Haruto: Das College ist nicht nur für meine Sportkarriere da. Es ist auch dafür, dass ich stärker werden kann. Aber bis dahin... will ich den Ring jemandem überlassen, der hier in Niigata ist. Der euch helfen kann und ihr ihm. Und wenn alles mit Kodan vorbei ist, hol ich mir den Ring wieder
Rei: Auch eine ziemlich riskante Sache. Sicher, dass du das machen willst?
Haruto: Die Ringe oder meine Träume... Es sind Beides Dinge, die ich einfach nicht aufgeben kann. Jetzt gerade will ich meinen Träumen folgen, solange ich die Chance dafür habe. Aber ich werde auch definitiv zu den Ringen zurück kehren!
Rei: Einmal ein Ringträger, immer einer, huh? *verschränkt die Arme* Gut, an wen hast du gedacht?
Haruto: An Aden.
Rei: Aden?
Haruto: Komm schon, Rei, du kannst ihn nicht ewig ablehnen! Wir wissen Beide, dass er ein verdammt guter Kämpfer ist. Er wird sicher ein guter Ersatz sein. Und er versucht sich ja auch schon seit einer Weile als Ringträger zu beweisen.
Rei: Ich hab doch nur nachgefragt, um sicher zu sein, dass ich es richtig verstanden habe *grummelt* Ich habe nichts gegen Aden-kun. Und wenn er damit einverstanden ist, dass er dir den Ring wieder gibt, sobald du zurück bist, dann kann er ihn meinetwegen haben
Haruto: *lächelt* Danke, Rei!
Rei: Keine Ursache... *abwinkt*
Haruto: Aber, eine Frage noch...
Rei: Ja?
Haruto: Dass ich jetzt auf das College gehe, das... werdet ihr mir nicht übel nehmen, oder?
Rei: Wieso sollten wir?
Haruto: Na, weil... gerade ist all der Stress mit Kodan, und dass ich jetzt gehe und den Ring abgebe, aber später zurück komme, das...
Rei: Das wirkt, als ob du vor dem Ärger mit Kodan davon rennen würdest *nüchtern sagt*
Haruto: Dabei mache ich das nicht! Ich würde hier bleiben und helfen und bei allem dabei sein. Aber das mit HSC kam so plötzlich und wenn ich diese Chance verpasse...
Rei: Keine Sorgen, Toyama. Jeder hier wird deine Entscheidung verstehen und niemand wird sie dir nachsehen. Und wenn doch, dann gibt das Ärger und zwar von mir aus
Haruto: *grinst* Danke, Rei...
Rei: Wie gesagt, keine Ursache...

Als es am Nachmittag zum Ende des Schultages klingelte, packte Kazuo seine Sachen in Ruhe zusammen. Shinji klopfte ihm kurz auf die Schulter, wünschte ihm noch einen schönen Freitag, dann war er schon verschwunden. Kazuo blickte ihm kurz nach, ehe er seine Aufmerksamkeit auf Chloe wandte, welcher gerade seine Tasche zumachte.

Kazuo: Schätze, wir gehen gemeinsam nach Hause?
Chloe: *lächelt leicht* Ich würd gerne...
Kazuo: *hebt eine Augenbraue* Aber?
Chloe: Damian will, dass sich alle von der „Red Streak“ bei Kojima treffen. Ist so eine Art Lagebesprechung.
Kazuo: Also machst du dich direkt auf den Weg dahin?
Chloe: *nickt* Je früher alle da sind, desto eher kann ich auch wieder gehen
Kazuo: Bist wohl der Einzige, der nicht da wohnt, huh?
Chloe: Ja, so ziemlich. Alle Anderen inklusive meinem Bruder wohnen da.
Kazuo: Du hast noch einen Bruder?
Chloe: Bevor mir hinterher wieder vorgehalten wird, ich hätte seine Existenz verschwiegen... Ja, habe ich. Er heißt Robin. Ehrlich gesagt verstehen wir uns nicht gerade bestens.
Kazuo: *verlässt mit Chloe den Raum* Schätze, du sagst mir nicht, wieso?
Chloe: Ich rede äußerst ungern darüber. Kaum einer, der nicht dran beteiligt war, weiß darüber Bescheid. Vielleicht erzähl ich es dir irgendwann einmal
Kazuo: *nickt* Okay. Wann genau bist du also wieder zurück?
Chloe: *zuckt mit den Schultern* Keine Ahnung. Ich werd Bescheid geben, wenn ich was Genaueres weiß
Kazuo: Ok, dann bis dann.
Chloe: Ciao, Kazuo

Und damit trennten sich ihre Wege. Kazuo machte sich direkt auf den Weg nach Hause. Dort angekommen warf er seine Tasche auf sein Bett und versorgte Hyo-chan mit Futter. Anna war noch nicht zurück. Sie hatte immer etwas später als die Schüler Schluss und verließ meistens mit Damian die Schule, welcher sie noch nach Hause begleitete. Somit war Kazuo gerade auch allein. Eine Seltenheit, nachdem er die vergangenen Tage pausenlos Chloe um sich herum gehabt hatte. Und diesen Segen wollte er ausnutzen. Er schnappte sich seinen mp3-Player und seine Kopfhörer und machte sich auf den Weg, durch die Gegend zu spazieren. Etwas Entspannung tat ihm sicherlich gut.
Gemächlich ging er die Straße entlang. Im Vergleich zu seinen Erinnerungen, war er mit der Musikrichtung enorm Richtung Rock und Metal geschwankt. Nichts, was ihm wirklich missfiel. Leise summte er die Texte mit, bog dabei in einen kleinen Park ein. Auf einem Spielplatz nicht unweit entfernt sah er ein paar Kinder spielen. Kazuo verzog leicht das Gesicht. Er musste an die Zeiten denken, in welchen er selbst mit seiner Mutter auf einem Spielplatz war. Zeiten, die nie mehr sein würden...
Mit einem Mal wurde er an der Schulter angetippt. Kazuo zuckte zusammen, pausierte dann aber die Musik und nahm die Kopfhörer ab. Etwas irritiert blickte er auf einen jungen Mann, nur wenige Jahre älter als er selbst. Das braune Haar war zu einem Zopf zusammengebunden und einige Strähnen fielen wirr zu den Seiten des Gesichtes herab. Doch Kazuos Blick blieb an den Augen hängen. Das eine leuchtend hellbraun. Das andere blutrot.


Kazuo: Ehm... Entschuldigung?
Kodan: Die Entschuldigung liegt eher auf meiner Seite. Hab ich dich erschreckt?
Kazuo: *schüttelt leicht den Kopf* Nein...
Kodan: Ich seh schon... Du erkennst mich nicht wieder, oder?
Kazuo: Müsste ich das?
Kodan: *verzieht leicht das Gesicht*
Kazuo: Oh, ehm, sorry.. Ich... ich hab vor ein paar Wochen mein Gedächtnis verloren... Ich erinner mich an niemanden aus Niigata...
Kodan: Das erklärt so einiges... *nachdenklich sagt* Ich hatte wirklich verzweifelt auf eine Nachricht von dir gehofft. Ich hatte schon befürchtet, sie hätten dich getötet!
Kazuo: *stockt* Warte, was? Ge- getötet? Wer?
Kodan: Die Leute von der "Red Streak" und diese vermeintlichen Wächter...
Kazuo: Wieso sollten sie das tun?
Kodan: *sieht ihn leicht mitleidig an* Weil du ihr Druckmittel bist, Kazuo...
Kazuo: Druckmittel?
Kodan: Du bist mein wunder Punkt, Kazuo. Das wissen die. Darum haben sie dich in eine Falle gelockt und gefangen genommen, als sie die Chance dazu gehabt hatten. Sie haben gehofft, dass sie mich dadurch auch kriegen könnten
Kazuo: *Senkt leicht den Kopf* Das haben sie nicht... *trocken sagt*
Kodan: Weil ich vollstes Vertrauen in dich hatte! Ich war der festen Überzeugung, du würdest dich da rausschlagen können. Oder mir zumindest eine Nachricht schicken können. Aber als nichts kam, da hab ich nach dem Rechten sehen wollen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass du dein Gedächtnis verloren hast
Kazuo: *blickt wieder auf* Und wer genau bist du? Du erzählst mir hier irgendetwas davon, ich sei dein wunder Punkt und man hätte mich gefangen genommen, aber mit keinem Wort hast du gesagt, wer du bist, warum die hinter dir her sind oder warum ich dein wunder Punkt bin!
Kodan: Stimmt... Ich habe wohl falsch angefangen.
Kazuo: So ziemlich!
Kodan: Das tut mir Leid. Ich... *legt ihm die Hände auf die Schulter* Ich bin nur so froh zu sehen, dass du unversehrt bist. Wenn dir etwas zugestoßen wäre, hätte ich mir das niemals verzeihen können...
Kazuo: *schielt kurz zu den Händen* Das beantwortet immer noch nicht meine Fragen...
Kodan: Nein, das tut es in der Tat nicht... Begleite mich doch ein Stück, Kazuo. Dann erklär ich dir alles in Ruhe
Kazuo: *hebt eine Augenbraue* Okay...
Kodan: *lächelt* *sich von Kazuo löst* *den Weg entlang geht* Ich bin wie du einer der Ringträger.
Kazuo: Ach ja? *stockt* Bist du etwa der, der uns angeblich verraten hat?
Kodan: Das haben sie dir erzählt, nicht wahr? Nicht ich habe sie verraten. Sie haben mich verraten. Was sie sagen ist teils richtig, aber teils auch falsch. Zum Beispiel stimmt es, dass die "Red Streak" eine alte Organisation ist, die einst gegründet wurde, um die Ringe vor dem Übel zu beschützen und immer fähige Ringträger auszusuchen. Aber diesen Zweck erfüllt die "Red Streak" schon lange nicht mehr. Wie viele alte Organisationen ist auch sie längst nur noch ein korrupter Haufen alter Säcke, die selbst nach Macht streben. Normalerweise dürfen Ringträger gar nicht unter achtzehn sein. Sie müssen ausgebildet und gekonnt auf ihre Aufgabe vorbereitet sein. Erst wenn sie das sind, sollte man ihnen die Ringe geben.
Kazuo: Aber das ist nicht der Fall...
Kodan: Nein. Die Ringe werden mittlerweile am laufenden Band schon kleinen Kindern in die Hände gedrückt, denen man dann weiß macht, dass sie vom Ring auserwählt worden sind. Und dann kann die "Red Streak" mit den Kindern machen, was sie will. Sie erziehen sie zu ihren kleinen feinen Schoßhunden.
Kazuo: Hat bei dir nicht geklappt, huh?
Kodan: Ich habe dieses falsche Spiel durchschaut. Und ich bin nicht der erste. Aber ich hoffe, dass ich der letzte sein kann. Wir müssen nur an alle Ringe kommen. Dann kann uns die "Red Streak" nichts mehr anhaben. Wir können unsere eigenen Ringträger suchen und die Mission der Ringe wieder auf ihren Ursprung zurück lenken.
Kazuo: Wir?
Kodan: Du und ich, Kazuo. Wir sind ein Team.
Kazuo: Also sind wir einfach zwei Typen, die sich gedacht haben, wir könnten uns gegen eine ganze Organisation stellen?
Kodan: Ein hirnrissiges Unternehmen, ja, aber wir haben bereits drei der sieben Ringe. Und es sind nur noch drei andere Ringträger übrig. Es ist machbar, Kazuo.
Kazuo: Vielleicht... Aber mir wird aus dieser ganzen Geschichte einiges noch nicht wirklich klar
Kodan: Dann frag nach.
Kazuo: Wenn deine Geschichte wahr ist, warum ergreift meine Schwester dann Partei für die Geschichte, die die mir aufgetischt haben?
Kodan: Weil das wieder der Part mit dem wunden Punkt ist. Anna hat nur noch dich, Kazuo. Sie können euch Zwei jederzeit trennen. Das würde Anna doch niemals ertragen können. Sie nutzen dich als ihr Druckmittel, damit sie stumm allem einfach zustimmt und dir nun, wo du dein Gedächtnis verloren hast, deren Geschichte erzählt, damit du auch ja keine Zweifel an ihnen hast.
Kazuo: Aber würden die wirklich so weit gehen? Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen. Ich trau denen zwar nicht wirklich über den Weg, aber so kriminell wirken die nicht.
Kodan: Natürlich nicht, damit du ihnen aus der Hand frisst! Ich erzähl dir einmal eine Geschichte, die in der Generation von Trägern vor unserer passiert ist. Da gab es einmal einen Ringträger, der sich in eine Frau verliebt hatte, die der "Red Streak" suspekt vorkam. Der Träger ignorierte die Verbote der "Red Streak" und traf sich trotzdem mit der Frau. Sie wurde sogar von ihm schwanger. Er hatte die Befehle der "Red Streak", die sein Leben vorschreiben sollten, vollkommen ignoriert.
Kazuo: Und was ist aus ihm geworden?
Kodan: Er lebt heute noch. Hat ein kleines Restaurant. Die Frau allerdings lebt nicht mehr. Die "Red Streak" hatte ihr eine Gnadenfrist gegeben, dass sie aus dem Leben des Ringträgers verschwindet, wenn das Kind geboren ist. Sie weigerte sich. Sie beide hatten sich geweigert und daraufhin ist sie von der "Red Streak" umgebracht worden.
Kazuo: *schluckt* Und das Kind?
Kodan: Ist mittlerweile selbst ein Ringträger, der der "Red Streak" aus der Hand frisst. Ich glaube, er hat nie erfahren, was wirklich mit seiner Mutter passiert ist. Aber verstehst du, Kazuo? Die machen keine Kompromisse. Entweder du gehorchst ihnen wie ein dressierter Hund, oder sie nehmen dir alles, was dir lieb und teuer ist.
Kazuo: Deswegen steh ich auch unter ständiger Beobachtung, huh? Es ist nicht zu meinem und Annas Schutz, wie sie behaupten. Es ist, um sicher zu gehen, dass Anna die Klappe hält und ich mich an nichts erinnere.
Kodan: Genauso ist es. Kazuo, du solltest da weg.
Kazuo: Und wohin soll ich bitte?
Kodan: *bleibt stehen* *sieht ihn ernst an* Komm mit mir mit. Dein Platz ist an meiner Seite...
Kazuo: *ihn ansieht* Und wieso ist er das?
Kodan: *hebt eine Hand* *will sie Kazuo an die Wange legen* *stoppt aber noch vorher* Ich... ich liebe dich, Kazuo... *die Hand langsam senkt* *zur Seite schaut* Ich liebe dich mehr als ich je etwas hätte lieben können. Jede Sekunde ohne dich ist eine Qual in meiner Brust. Darum... bist du auch mein wunder Punkt. Ich habe meine ganze Familie bereits an die "Red Streak" verloren. Ich habe nur noch dich. Und ich will dich nicht auch noch an sie verlieren...
Kazuo: *blickt wieder zu Boden* Warum behaupten immer alle, sie seien in mich verliebt? Chloe auch...
Kodan: Chloe Spencer? *aufhorcht*
Kazuo: Ja. Er faselt ständig was davon, dass wir zusammen gewesen wären. Ich kann es schon nicht mehr hören. Wenn es stimmt, was er da sagt, dann müsste doch zumindest mein Herz sich erinnern. Wild klopfen oder so...
Kodan: Und das tut es nicht?
Kazuo: Nicht mal ansatzweise...
Kodan: Und bei mir?
Kazuo: W-was?
Kodan: Dein Herz... Schlägt es bei mir?
Kazuo: *aufschaut* *schluckt* Ich... weiß nicht...
Kodan: *lächelt leicht* Es ist ein Anfang... *zieht ihn plötzlich in eine Umarmung* Ich weiß, was ich gesagt habe, war viel und verwirrend. Ich verlange nicht, dass du mir das alles auf Anhieb glaubst, aber bitte, lass es dir durch den Kopf gehen. *löst sich wieder* Ich kann mich nicht zu lange in der Öffentlichkeit blicken lassen, sonst finden die mich noch. Aber ich werde auf jeden Fall noch einmal Kontakt mit dir aufnehmen.
Kazuo: *verwirrt schaut* Ehm, okay?
Kodan: Ich gebe dir noch einen kleinen Rat. In der untersten Schublade deines Kleiderschranks hast du ein geheimes Zweitfach. Du sagtest einmal zu mir, dass du darin ein kleines Notizbuch versteckt hättest, worin du deine Geheimnisse aufgeschrieben hast. Vielleicht wird dir das bei deinen Erinnerungen auf die Sprünge helfen...
Kazuo: In meinem... Schrank...?
Kodan: Auf Wiedersehen, Kazuo... *sich abwendet*
Kazuo: Ah, warte! Du hast mir trotz allem nicht deinen Namen gesagt!
Kodan: *lächelt* Ich heiße Kagami Kodan *weitergeht*
Kazuo: Kagami Kodan... *ihm nachschaut*



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