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auf Flame of the Abyss! Dies ist eine Shonen-Ai & Action-Staffel. Begleitet unsere Helden dabei, wie sie versuchen, die Welt vor dem Chaos zu bewahren und sich doch dabei immer weiter in ein Netz aus Lügen und Intrigen verstricken, ohne zu wissen, wer nun wirklich ihr Freund ist und wer ihr Feind...
Schaut euch doch in Ruhe um. Ich wünsche euch viel Spaß ^.^



Flame of the Abyss

Episode 02


Thirty-Eight Days left


Die Reise nach Schottland war lang und anstrengend, wenn auch bei weitem nicht so lang und beschwerlich, wie der Weg von Japan nach England gewesen war. Ryo war nach wie vor mit Saya auf engem Raum eingesperrt, aber während auf dem Schiff niemand von ihnen gewusst hatte, waren sie nun offizielle Gäste der Kutsche und wenn Ryo danach verlangte, konnte jederzeit eine Pause eingelegt werden und er konnte etwas frische Luft schnappen. Um diese Pausen war er auch sehr dankbar gewesen, denn neben Saya, die übermäßig aufgeregt gewesen war, und Ian, der das alles belustigt mit ansah, hatte es noch einen weiteren Passagier gegeben und das war Ians kleiner Bruder Miles gewesen. Hätte Ryo Miles mit wenigen Worten beschreiben müssen, er hätte ihn eine kleine, nörgelnde Bazille genannt. Den Großteil der Fahrt über war Miles langweilig, vor allem weil Ian seine Aufmerksamkeit lieber den beiden Japanern schenkte, und er scheute sich nicht davor, es in regelmäßigen Abständen jeden wissen zu lassen. Wiederholt. Tag für Tag. Wenn Ryo in irgendeiner Weise die Ankunft auf dem McMillain-Anwesen herbei sehnte, dann nur, um nicht mehr länger mit diesem Jungen auf so engem Raum eingesperrt zu sein.
Neun Tage und ihre Reise hatte endlich ihr Ziel erreicht. Mit staunenden Augen hatte Saya zu der großen Fassade des Anwesens hinauf geschaut. Sie zählte mehrere Stockwerke, gespickt mit Verzierungen an den Kanten des Daches, geschnitzten Fensterrahmen und umrandet von hübschen Blumenbeeten. Vor dem nicht minder imposanten Eingang des Anwesens gab es einen runden Platz zum Halten der Kutsche, der in der Mitte mit einem großen Brunnen versehen war. Sayas Augen funkelten, als sie zu der marmornen Engelsstatue hinauf sah.


Saya: Wow... Ist das eines der Schlösser, von denen immer geredet wird?
Ian: *lacht* Ein Schloss würde ich es nicht unbedingt nennen. Es ist einfach ein sehr großes Haus.
Ryo: Das Anwesen meiner Familie gilt schon als recht groß. Es könnte einem Gasthof gleichen und trotzdem ist es nicht einmal ein Viertel von diesem "sehr großen Haus" *trocken sagt*
Ian: Nun... Wie sag ich das am besten? Der westliche Adel liebt es mit der Größe anzugeben.
Ryo: Das kann man noch angeben nennen...?
Saya: Es ist auf jeden Fall unglaublich! So ein großes und schönes Haus. Ganz anders als bei uns in Japan.
Ryo: Betitelst du unseren Baustil gerade als hässlich?
Saya: Er ist auf seine eigene Art schön. Aber gerade find ich das hier viel schöner, weil es neu ist.
Ian: *wieder lacht* Und es ist auch noch groß genug, dass jeder ein eigenes Zimmer haben kann, wenn ihr wollt
Ryo: Eigene Zimmer? *Augenbraue hebt*
Saya: Das klingt gar nicht mal so schlecht.
Miles: Eh? *bis eben nur stumm an der Kutsche gelehnt hatte* Ihr Zwei seid nicht zusammen? Ich dachte, ihr wärt einPaar
Ryo + Saya: Niemals
Saya: Wir sind Kindheitsfreunde. Man könnte uns fast schon Geschwister nennen, aber ein Paar? Nie im Leben.
Ryo: Nicht zuletzt, weil ich eine Frau bevorzugen würde, die auf sich aufzupassen weiß, sonst werd ich vor lauter Sorgen noch kahl.
Saya: Ey!

Abermals lachte Ian, blickte dann aber zu den beiden Bediensteten, die gerade heraus gekommen waren, um das Gepäck entgegen zu nehmen und ins Haus zu bringen. Das sah Ian dann als Zeichen, dass sie selbst ebenfalls ins Haus konnten. Kurz nickte er Miles zu, der mit einem breiten Grinsen los lief und binnen Sekunden außer Sichtweite war. Ian schüttelte darüber nur den Kopf, geleitete seine Gäste dann aber selbst ins Innere und dort geradewegs die Gänge entlang zu einem Teezimmer. Hier entschuldigte er sich kurz, ließ die Zwei mit den Worten zurück, dass er noch jemand anderen holen und ihnen vorstellen wollte. Dann waren die beiden Freunde auch schon allein.

Ryo: Ich traue der ganzen Sache immer noch nicht.
Saya: *verdreht die Augen* Und du wirst ihr vermutlich auch niemals trauen... *sich in einen Sessel setzt*
Ryo: Mit Sicherheit nicht! Schau dir diesen Palast doch einmal an. Das soll das Anwesen einer einzigen Familie sein? Wo selbst die Bediensteten eigene Zimmer haben? Vielleicht will er uns auch einfach voneinander trennen
Saya: Ich bin mir sicher, er wird uns Zimmer nebeneinander geben. Und wenn etwas passiert, wird der Andere es hören
Ryo: Ja, und dann dürfen wir uns durch wer weiß was für Sicherheitsmaßnahmen durchkämpfen, nur um in einer Einöde zu stranden. Ist dir aufgefallen, wie lange die Kutsche seit der letzten Ortschaft noch gebraucht hat?
Saya: Du hast die Zeit gestoppt?
Ryo: Eine halbe Stunde! Mit einer Kutsche! Zu Fuß wären wir außer Atem und hätten uns verlaufen, bevor wir auch nur ansatzweise in der Nähe des nächsten Hauses wären
Saya: Nicht jeder ist immer hinter unseren Köpfen her, Ryo... Niemand kann hier etwas mit dem Namen Kojima anfangen. Du hast nichts zu befürchten
Ryo: Nein, nichts außer Magie, aber was könnte da nur schief gehen? Oh, warte. Alles!
Saya: *Seufzt genervt* Nur nicht zu begeistert...
Ryo: Saya... Ich mache mir nur Sorgen... *sich vor sie hockt* Wenn dir etwas passiert, liegt es in meiner Verantwortung, deiner Familie davon zu berichten. Das ist eine Erfahrung, auf die ich verzichten möchte. Vor allem, weil ich nicht will, dass dir etwas passiert
Saya: Und an dich denkst du überhaupt nicht?
Ryo: *stockt* Eh?
Saya: So wie du dich um mich sorgst, sorg ich mich auch um dein Wohl, Ryo. Aber vor lauter Misstrauen vergisst du dich selbst viel zu schnell *greift seine Hände* Ich kann auf mich aufpassen. Und ich verspreche dir, sobald ich auch nur den geringsten Zweifel gegenüber Ian oder seinen Absichten habe, werde ich sofort mit dir von hier verschwinden.
Ryo: *verzieht das Gesicht* *atmet dann aber laut aus* In Ordnung... Ich werd auf deine Worte vertrauen...
Saya: *lächelt munter* Danke...

Das Gespräch der Beiden fand ein Ende, als wieder Schritte zu vernehmen waren. Nur kurz darauf tauchte Ian wieder auf, eine unbekannte Person im Schlepptau. Der Neuankömmling schien im selben Alter wie Ian zu sein. Sein Haar war schwarz, kurz und wirr. Seine Augen schienen im Licht beinahe schon rot zu leuchten.

Ian: Miss Saya, Mister Kojima, dies hier ist Gillian McAlister. Er ist ein sehr enger Freund von mir und derzeit ebenfalls ein Gast in diesem Haus.
Saya: Es freut mich, die Bekanntschaft zu machen
Ryo: *den Kopf höflich nickt*
Gillian: Die Freude ist ganz meinerseits. Ich hatte bisher noch nicht das Vergnügen, jemanden aus Japan kennen zu lernen. Ich interssiere mich sehr für die Kultur eures Volkes. Vielleicht kann man sich einmal bei einer Tasse Tee austauschen?
Saya: *kurz zu Ryo schaut* Ich denke, auf das Angebot kommen wir gern beizeiten zurück, nicht wahr, Ryo?
Ryo: Durchaus... Eine Tasse Tee schlag ich nur selten aus.
Gillian: *lächelt* Das freut mich.
Ian: *sich kurz räuspert*
Gillian: *einen amüsierten Laut von sich gibt* Keine Sorge, Ian, wir schweifen schon nicht ab
Ian: Sicher?
Gillian: *die Augen verdreht* *dann aber wieder zu Saya und Ryo schaut* Wieviel hat euch Ian bereits von unseren Forschungen erzählt?
Ryo: Es gibt magische Flammen, die besondere Fähigkeiten hervor bringen können und einer von uns ist im Besitz solcher Flammen *schlicht sagt*
Gillian: Nun, das ist eine ziemlich magere Zusammenfassung. *zu Ian schaut* Mehr wissen sie nicht? Du hattest über eine Woche Zeit, ihnen alles zu erzählen
Ian: Ich wollte ihnen ja auf der Reise alles genauer erläutern, aber...
Saya: Ich fürchte, das ist meine Schuld. Ich bin zum ersten Mal fernab meiner Heimat und hier ist alles so anders, da wollte ich die Reise lieber nutzen, um so viel wie möglich zu sehen, anstatt irgendwelchen Erklärungen zu lauschen und darüberhinaus vielleicht eine gute Gelegenheit zu verpassen
Gillian: *eine Augenbraue hebt*
Ryo: Das ist ihr voller Ernst. Sie können sich sicher vorstellen, wie schwer es dadurch ist, irgendetwas zu erklären
Gillian: Ihr seid also mit nichts weiter als dieser spärlichen Erläuterung hierher gekommen?
Ryo: Auf meine Einwände ist man nicht eingangen
Saya: *eingeschnappt zur Seite schaut*
Gillian: Oh, okay. Also muss wirklich noch alles erklärt werden?
Saya: So ziemlich, ja
Gillian: *schaut auf seine Taschenuhr* Ich fürchte, wenn noch alle Erklärungen folgen, werde ich nicht durchweg dabei sein können. Ich habe in der Stadt noch einen wichtigen Termin
Ian: Den kannst du nicht verschieben?
Gillian: Definitiv nicht. Für den Rest kann dir aber sicher dein Bruder helfen. Der freut sich sicherlich, wenn du ihn ein bisschen miteinbeziehst
Ian: *verzieht leicht das Gesicht* Natürlich...
Ryo: *hebt eine Augenbraue* Ihr versteht euch nicht?
Ian: Sagen wir, ich bevorzuge es, das Thema mit der Magie und Alchemie von ihm fernzuhalten, aber das hält ihn nicht davon ab, überall mitzumischen
Ryo: Verstehe...
Gillian: Auf jeden Fall, wenn ich euch aufklären soll, sollten wir nicht zu lange unsere Zeit verschwätzen.
Ryo: Dann sollte man uns auch endlich aufklären.
Gillian: *nickt* Am besten ist es, am Anfang anzufangen. Es gibt Magie. Und es gibt Menschen, die das Potential haben, diese Magie zu nutzen. Im Moment versuchen wir einerseits die Grenzen dieser Magie auszutesten, andererseits versuchen wir auch, die Kriterien zu bestimmen, mit denen man zwischen Menschen mit und ohne Potential bestimmen kann.
Ryo: Und wie weit seid ihr mit diesen Untersuchungen?
Gillian: Schwer abzuschätzen, aber wir können zumindest Leute mit Potential finden
Saya: Dank diesem Flammenkompass, oder?
Gillian: Genau. Er zeigt an, ob eine Person Flammen beherrscht, oder nicht
Ryo: Flammen?
Gillian: Das hier.

Gillian hob seine Hände. Er konzentrierte sich kurz und mit einem Mal loderte eine scharlachrote Flamme zwischen seinen Handflächen. Saya gab einen überraschten Laut von sich. Ryo trat einen Schritt zurück, beäugte das SPektakel mit Vorsicht.

Gillian: Wir nennen das Ganze hier "Wetterflammen" und die Fähigkeit, diese Flammen zu beschwören, ist der Beweis, dass man magisches Potential besitzt. Sie sind der Katalysator für Magie.
Ryo: Warum nennt ihr sie dann nicht "magische Flammen"? Warum "Wetter"?
Ian: Weil wir die Flammen erst nach der Untersuchung der Wettersteine entdeckt haben.
Ryo: *hebt eine Augenbraue*
Saya: Wettersteine?
Ian: Mein alter Mentor hat sie so genannt. Je nach dem, wie er die Steine eingesetzt hatte, konnte er in einem gewissen Radius das Wetter beeinflussen. Deshalb nannte er sie Wettersteine. Erst später haben Gillian und ich bei Gelegenheit diese Steine untersucht und kurz darauf festgestellt, dass sie durch spezielle von Menschen beschworene Flammen aktiviert werden. Ursprünglich hielten wir es für einen direkten Zusammenhang zwischen den Steinen und den Flammen, weshalb wir diese ebenfalls nach dem Wetter benannt haben.
Gillian: Wir haben erst später heraus gefunden, dass man die Flammen auch ohne die Steine nutzen kann und dass sie ohne die Steine sogar eine größere Varietät von Fähigkeiten bieten. Aber auch wenn man auf die Steine nicht wirklich angewiesen ist, ist die Macht der Flammen stärker, wenn man diese Steine in Händen hält. Es scheint eine Art Symbiose zu sein. Beide können allein existieren, aber erst zusammen entfalten sie ihre wahre Kraft
Saya: Also sucht ihr jetzt nach Menschen mit Flammen, um die Möglichkeiten der Flammen zu untersuchen?
Gillian: Ja
Saya: Und was ist mit den Steinen?
Ian + Gillian: *sehen sich kurz an*
Gillian: Die gibt es nicht mehr. Nicht so wirklich jedenfalls...
Ryo: Wie sollen wir das verstehen?
Ian: Vor einer Weile unternahm mein Mentor mit seinem Schüler ein Experiment an diesen Steinen. Eins, von dem sie Beide eigentlich wussten, dass es bei unserem Stand der Forschung zu riskant war. Nun, wie fast schon zu erwarten, ging es schief und die Steine wurden im Prozess beinahe vollständig zerstört. Es sind ein paar kleinere Fragmente übrig geblieben, welche wir eingesammelt haben und nun hier aufbewahren. Bedauerlicherweise sind diese kleinen Fragmente bei weitem nicht so mächtig, wie sie es noch in vollständiger Form waren, aber sie beherbergen immer noch sehr viel Kraft.
Ryo: Natürlich... Ein paar mächtige magische Steine fliegen wegen einem gescheiterten Experiment in die Luft und ihr haltet es für eine gute Idee, sie einzusammeln?
Saya: Ryo!
Ryo: Was?
Saya: *ihm einen bösen und fragwürdigen Blick zuwirft*
Gillian: *lacht* Wenn man es so formuliert, klingt es in der Tat etwas verrückt.
Ryo: Etwas?
Gillian: Vielleicht etwas sehr *zwinkert* Aber wir hielten es für eine bessere Idee, als sie achtlos unter ein paar Hausruinen liegen zu lassen, wo sie jeder hätte finden und unter Umständen missbrauchen können.
Ryo: Hmpf, das macht fast schon wieder Sinn... Und diese Steinfragmente sind jetzt hier?
Gillian: Ja. In etwas abgewandelter Form. *schaut kurz auf seine Taschenuhr* Meine Güte, ich muss langsam los... Ian, übernimm du das Gespräch von hier an? Ich werd Miles losschicken, dass er die Schatulle einmal vorbei bringt
Ian: *das Gesicht verzieht* Ist in Ordnung...

Gillian schenkte Saya und Ryo noch kurz ein lächelndes Nicken, dann war er auch schon aus dem Raum verschwunden. Ian schaute ihm noch kurz nach, ehe er wieder zu seinen zwei Gästen schaute.

Ian: Also, wo waren wir stehen geblieben?
Saya: Die Flammen und die Steine hängen miteinander zusammen und die Steine - oder das, was von ihnen übrig ist - hat den Weg hierher gefunden.
Ian: Richtig, genau... Die Steine sind eigentlich erstmal Nebensache. Ihre Erforschung ist Gillians und meine Angelegenheit. Das, was für euch relevanter ist, sind die Flammen. Schließlich kann einer von euch jene Flammen beschwören und herauszufinden, wer das kann und wie sich die Fähigkeiten auf denjenigen auswirken, das ist es, wofür ich euch hierher eingeladen habe.
Ryo: *gibt ein amüsiertes Schnauben von sich* Wenn ich noch irgendwie groß Geld dabei hätte, würde ich es darauf wetten, dass Saya diejenige von uns ist, die diese Flammen rufen kann
Saya: *schaut verwundert zu ihm* So toll ich das finden würde, aber was macht dich da so sicher?
Ryo: Warum sollte ein Zyniker wie ich etwas beherrschen können, was mich absolut nicht interessiert?
Ian: Nun... Ich würde nur zu gern sehen, dass ihr der Flammennutzer seid, Mr. Kojima. Nur um eure Reaktion zu erfahren
Ryo: *lacht darüber* Sehr freundlich...
Saya: Wie stellt man denn fest, wer von uns der Nutzer ist?
Ian: Das einfachste wäre es, wenn einer von euch kurz den Raum verlassen und ein Stück den Gang runter gehen würde. Wenn der Flammennutzer den Raum verlässt, würde mein Kompass weniger oft die Farbe wechseln. Wenn der Nutzer hier bleibt, wird es ein konstantes Flimmern sein, wie ihr es schon einmal gesehen habt.
Ryo: Gut... Saya, geh kurz raus.
Saya: Eh? Wieso ich?
Ryo: Weil ich dich lieber durch den Flur streifen lasse, als dass du allein mit diesem Mann in einem Raum bleibst
Ian: Au! Das sind harsche Worte des Misstrauens...
Ryo: Ich habe auch nie gesagt, ich würde euch vertrauen, McMillain-dono
Ian: *lacht leise* Nicht, dass ich damit andeuten möchte, ich hätte einen Hinterhalt vor, aber ich denke, eine gewisse Portion an Misstrauen ist nicht verkehrt. Ich nehm es ihnen zumindest nicht übel, Mr. Kojima
Ryo: Zu freundlich
Saya: *missmutig zwischen den Beiden hin und her sieht* Ich hoffe, im Laufe unseres Aufenthalts wird sich das noch bessern... *nuschelt*

Saya wandte sich von den beiden Männern ab und verließ den Raum. Ian hatte beinahe direkt seinen Kompass hervor geholt und aufgeklappt. Anfangs flimmerte er noch abwechselnd zwischen orange und blau, doch je leiser Sayas Schritte wurden, desto seltener wechselte der Kompass die Farbe. Ian belächelte das ganze munter. Ryo runzelte jedoch immer mehr die Stirn.
Schlussendlich begann der Kompass wieder zu flimmern, diesmal wechselte er immer mehr zwischen orange, blau und grün. Als die Schritte am Raum ankamen, klopfte es auch kurz, bevor die Tür sich öffnete und Saya wieder herein kam, zusammen mit Miles, welcher eine kleine hölzerne Schatulle in Händen hielt.


Saya: Und? Habt ihr herausgefunden, wer von uns der Nutzer ist?
Ryo: Ja... Du.
Saya: Wirklich? *breit grinst* Klasse!
Ryo: ... ja... *leise murmelt*
Ian: Nun, wir sollten uns morgen einmal die Zeit genehmigen, dass ich dir beibringen kann, wie du die Flammen beschwörst.
Saya: Unbedingt! Ich kann es jetzt schon kaum erwarten
Miles: Also ist Miss Saya die nächste Ringträgerin in Aussicht?
Ian: *zu Miles sieht* Ja
Saya: Ringträgerin?
Ian: Ich sagte ja bereits, dass die Wettersteine zerstört worden sind und wir lediglich kleine Fragmente hatten retten können. Nun... *verweist Miles zu einem Tisch* dort sind sie

Miles folgte Ians Aufforderung und platzierte die Schatulle auf jenem Tisch, ehe er sie aufklappte und einen Schritt beiseite trat, somit den Blick auf sieben Ringe mit eingefassten Steinen offenbarte. Saya und Ryo musterten die Ringe neugierig. Saya kam dabei auch auf die Schatulle zu, beugte sich fast schon darüber.

Saya: *streicht sich eine Strähne hinters Ohr* Ringe?
Ian: Ganz genau. Diese Ringe sind das, was von den Steinen übrig geblieben ist. Wie gesagt, sie sind nicht so mächtig, wie die Steine, aber immer noch mächtig genug, um Unheil anrichten zu können. Diese Ringe... sind im Grunde genommen Artefakte, die über Chaos und Ordnung herrschen können. Über das Gleichgewicht von Gut und Böse.
Miles: Darum suchen Ian und Gillian auch nach Leuten, die sich dieser Ringe annehmen können und darauf aufpassen.
Ian: *nickt* Ein Mensch allein mit allen sieben Ringen könnte Unglaubliches vollbringen, aber hinter so großer Macht liegt auch große Gefahr. Darum möchte ich die Ringe auf sieben fähige Träger aufteilen. So ist die Sicherheit der Ringe gewahrt und gleichzeitig sind sie vor Missbrauch geschützt.
Ryo: *schüttelt den Kopf* Fähige Menschen, die die Ringe vor Unheil bewahren sollen... Saya, wir sollten uns da raus halten. Das wird uns nur Unheil bringen!
Saya: *zu ihm schaut* Ryo, du bist zu misstrauisch. Ian-dono versucht doch schon, das Schlimmste zu verhindern, indem er die Ringe aufteilen will. Solange alle Träger das genauso sehen, wird schon nichts schief gehen.
Ryo: "Solange"! Sieben Ringe, Saya. Es ist eine ungerade Anzahl. Wenn die Mehrheit auf einmal beschließt, das alles zu ihrem Gunsten zu nutzen, wird McMillain-donos Plan nicht aufgehen.
Miles: Glaubst du etwa, mein Bruder würde einen so fahrlässigen Plan schmieden?
Ryo: Ich glaube einfach nur, der Plan hat Lücken. Meinetwegen können die Ringe wem auch immer gegeben werden, aber ich würde es bevorzugen, würdest du dich da raus halten, Saya!
Saya: *seuzt leise* *schaut dann zu Ian* Ian-dono, ich denke, ich werde fürs Erste auf Ryo hören. Wir werden ja noch eine Weile hier verweilen. Kann ich solange über diese ganze Angelegenheit nachdenken?
Ian: *nickt lächelnd* Natürlich, Miss Saya. Ich habe auch nicht mit einer sofortigen Antwort gerechnet. Die anderen Personen, die ich bereits im Blick habe, haben auch noch alle um etwas Bedenkzeit gebeten. Nehmt euch ruhig all die Zeit, die ihr braucht, um das alles zu überdenken.
Saya: Vielen Dank! Ich werde nochmal auf das Thema zu sprechen kommen, wenn ich eine Antwort für mich gefunden habe.
Ian: Natürlich. *blickt kurz auf seine Taschenuhr* Nun, wir haben alle eine lange Reise hinter uns und ihr Beide habt heute viel in Erfahrung gebracht. Ich denke, wir sollten es für heute auch dabei belassen. Ich werde einen Bediensteten rufen lassen, der euch eure Zimmer zeigt. Wir sehen uns dann morgen wieder.

Ian schenkte den beiden Gästen noch kurz ein letztes Lächeln, dann hatte er auch schon die Schatulle mit den Ringen gegriffen und war gegangen. Miles blickte selbst noch einmal zu Ryo und Saya, nickte nur kurz, dann war er seinem Bruder auch schon hinterher gestürmt. Saya und Ryo atmeten beide erst einmal durch, bevor sie sich auch schon kurz darauf von einem Bediensteten wie angekündigt zu ihren Zimmern geleiten ließen, um müde in die Betten zu fallen.

10. Juni 1808
Wir sind bereits seit mehreren Tagen in England. Ian zeigt sich mehr oder weniger als guter Freund. Er nahm uns mit nach Schottland, wo er uns Unterkunft und Nahrung in seinem Anwesen gewährte. Im Gegenzug werden wir den Bediensteten ein wenig zur Hand gehen. Saya hat viel Freude auf der Reise gehabt und wird sich sicher schnell einleben. Heute stellte uns Ian einen Freund vor: Gillian. Aber noch mehr als das zeigten er und Miles uns merkwürdige Ringe und man demonstrierte uns ein magisches Feuer, das er Wetterflammen nennt. Ich finde diese ganze Angelegenheit mehr als dubios, aber Saya scheint das nicht zu kümmern. Sie hat festgestellt, dass sie auch solche Flammen beherrschen könnte, ganz anders als ich. Ich fürchte, sie wird hier bleiben und sich auf diese Ringe einlassen wollen. Ich hoffe, ich kann sie noch davon abhalten.



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